
Die schwache ökonomische Basis Vietnams zeigt sich auch darin, dass im Bereich Petrochemie nahezu keine eigene Produktion besteht.
Zwar profitiert Hanoi als drittgrößter Exporteur von Rohöl in Südostasien von den steigenden Erdölpreisen, im Gegenzug gingen aber die Kosten für Benzin, Diesel, Kerosin sowie für alle Arten von Leichtölen stark nach oben. Im Ergebnis werden für 2008 erstmals die Erlöse aus dem Ölexport unter den Kosten der Importe für petrochemische Erzeugnisse liegen. Mangels eigener Raffineriekapazitäten muss das Land seine Rohölproduktion komplett exportieren.Das für 2008 zu erwartende Defizit in Höhe von 1,5 Milliarden US-Dollar wird zu der finanziell äußerst bedrängten Lage Vietnams beitragen. Das Minus im gesamten Außenhandel des Landes betrug im 1. Quartal mehr als 40 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) - eine international gesehen außerordentlich hohe Quote. Erschwerend kommt hinzu, dass sich die Ölexporte derzeit nicht weiter steigern lassen. Ohnehin ging die Produktion im Zeitraum 2005 bis 2007 um 16 Prozent auf 15,5 Millionen Tonnen zurück und stagniert seitdem.Mehr als 80 Prozent der vietnamesischen Erdöllieferungen entfielen 2007 auf die fünf Länder Australien (33,9%), Singapur (18,5%), Japan (11,9%), USA (9,2%) sowie Malaysia (7,6%). Den eigenen Bedarf an petrochemischen Erzeugnissen deckt das Land in erster Linie mit Importen aus Singapur (48,7%), Taiwan (23,4%), Südkorea (9,9%) sowie der Volksrepublik China (6,0%).An der misslichen Situation wird sich auch in den kommenden Jahren wenig ändern. Die Industriestruktur des südostasiatischen Landes ist weiterhin zu eng und zu schwach, um kurzfristig die Lage zu verbessern. Der Bedarf an petrochemischen Erzeugnissen soll sich bis 2015 auf 20 Millionen Jahrestonnen erhöhen, ohne dass absehbar ist, wann die ehrgeizigen Pläne der Regierung zum Bau eigener Raffinerien in die Realität umgesetzt werden. Insgesamt plant Hanoi fünf große Petrochemiekomplexe.In der Summe werden in die fünf Vorhaben mehr als 15 Milliarden US-Dollar investiert mit einer Kapazität von 29,4 Millionen Jahrestonnen. Da der Bedarf im Jahr 2015 auf 20 Millionen Tonnen jährlich prognostiziert wird, verblieben nach dieser Rechnung knapp 10 Millionen Tonnen pro Jahr für den Export.Beobachter haben allerdings Zweifel, ob sich die Projekte in dieser Planung realisieren werden. Beispielhaft ist die erste große Petroanlage in Dung Quat, deren Unglücksgeschichte 1995 begann. Nach dem Rückzug von Total SA, die den Standort als falsch bezeichnete, stiegen unter anderem LG Group, Petronas, Conoco, Chinese Petroleum Co. sowie die China Development Co. ein, nur um zwei Jahre später wieder auszusteigen. Es folgten die Russen mit Vietsovpetro und Zarubeznheft, die 2002 aus den gleichen Gründen das Handtuch warfen.2003 schließlich entschloss sich die Regierung, das Dung-Quat-Projekt selbst zu finanzieren, dessen Kosten sich von ursprünglich geplanten 1,3 Milliarden auf nunmehr 2,5 Milliarden US-Dollar fast verdoppelt haben. Unter der Planung der britischen Foster Wheeler Energy Limited soll das Projekt, an dessen Profitabilität weiter gezweifelt werden darf, bis 2009 fertiggestellt werden.Unterdessen scheint die vierte Großanlage in Long Son langsam in die entscheidende Planungsphase zu gehen. Jedenfalls wurden jüngst in Hanoi die Joint-Venture-Verträge von den vier Partnern unterzeichnet. Danach entfallen auf die thailändischen Unternehmen Vina SGC Chemicals Co. Ltd. und Thai Plastic and Chemicals Co. Ltd. (beide gehören zur Thai Siam Cement Group) 71 Prozent und 29 Prozent auf die vietnamesischen Teilhaber PetroVietnam (18%) sowie Vietnam National Chemical Corporation (VinaChem) (11%).Der 400 ha große Petrochemiekomplex soll auf der Insel Long Son in der Provinz Ba Ria Vung Tau errichtet werden. Nach der Fertigstellung, die für 2013 angesetzt ist, können insgesamt 4,1 Millionen Jahrestonnen an petrochemischen Erzeugnissen produziert werden. Darunter befinden sich Olefine (1,65 Mio. jato), Polyolefine (1,45 Mio. jato), Chlor-Alkali (0,28 Mio. jato), Ethylendichlorid (0,33 Mio. jato) sowie Vinylchlorid (0,40 Mio. jato)