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Vietnam Fokus 2/2008 vom 15. Mai 2008
Vietnam

Eingeschränkte Reis-Exporte

Von Dr. Dieter Burgmann

Vietnam hat den Umfang seiner Reis-Exporte bis Ende Juni reduziert. Trotz einer guten Frühjahrsernte in der Reiskammer Mekong-Delta blieben die Ende März in Kraft getretenen Exportauflagen bestehen, zitierte die staatlichen Medien Vize-Handelsminister Nguyen Than Bien. Ziel der restriktiven Exportpolitik ist einerseits die Sicherung des Angebots für den Inlandsmarkt, andererseits steigert eine Verknappung der Exportmengen den Preis und damit den Profit.

Nguyen Bien zofolge liegt die Sicherung der nationalen Nahrungsmittelvorräte im Staatsinteresse; die mit der Verknappung erzielbaren Wert- und Gewinnsteigerungen seien durchaus erwünscht. Für die Tonne Reis werden derzeit auf dem Weltmarkt Spitzenpreise erzielt. Bien sagte, dass die Philippinen je Export-Tonne Reis jüngst 1.200 US-Dollar gezahlt hätten. Der Minister erwartete für Mai einen Preisanstieg auf 1.500 US-Dollar je Tonne. Der Auftrieb werde bis 2010 anhalten.

Im laufenden Jahr hat das südostasiatische Land schon mehr als eine Million Tonnen Reis für mehr als umgerechnet 256 Millionen Euro exportiert.

Unterdessen machte der Chef des UN-Umweltprogramms (UNEP), Achim Steiner, Spekulanten für die massiven Preissteigerungen bei Lebensmitteln verantwortlich. Es gebe ausreichend Lebensmittel, um alle Menschen in der Welt zu ernähren, sagte der deutsche UN-Diplomat Anfang Mai. Aber die Spekulation an den Märkten bringe die Ärmeren durch überhöhte Preise ins Abseits.

Steiner warnte die Regierungen vor Panikreaktionen und mahnte langfristige Lösungen an. Er sprach sich für eine nachhaltige Landwirtschaft in der Welt aus und forderte in diesem Zusammenhang ein Stopp des exzessiven Einsatzes von Düngemitteln und Wasser. Beides sei teuer und verschwenderisch. Die Leiter der wichtigen Organisationen trafen sich Anfang Mai in Bern, um über die Folgen der globalen Ernährungskrise zu beraten.

Als Hauptgründe für die Preisexplosion bei Nahrungsmitteln gelten die steigenden Energiekosten und die hohen Preise für Düngemittel, aber auch Spekulationen an den Finanzmärkten. Die vietnamesische Bevölkerung leidet unterdessen unter einer Preissteigerungsrate bei den Verbraucherpreisen um 17 Prozent in den ersten vier Monaten 2008.

Mit Notmaßnahmen wollen die Regierungen der Philippinen und Malaysias die Folgen der Reisknappheit für die Ärmsten der Armen mindern. Die malaysische Regierung kündigte Subventionen für die heimische Reisproduktion an, die derzeit rund zwei Drittel der Bevölkerung versorgt. In Manila sollen Reiskarten ausgegeben werden, mit denen Grundnahrungsmittel zur Hälfte des Marktpreises gekauft können. In Vietnam drohen harte Strafen für jeden, der aus der Krise Profit schlagen will.

Die Behörden erklärten, in den vergangenen Tagen hätten mehrere Unternehmen massenhaft Reis aufgekauft, um ihn später mit Profit weiterzuveräußern. Außerdem hielten Großhändler Vorräte zurück, sagte eine Sprecherin. Die Reisvorräte in Vietnam seien für den heimischen Verbrauch ausreichend, betonte Ministerpräsident Nguyen Tan Dung den staatlichen Medien zufolge.





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