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Vietnam Fokus 3/2008 vom 15.Juli 2008
Vietnam

Volkswirtschaft immun gegen US-Immobilienkrise ?

Von Bernd Schaaf (gtai)

Die vietnamesische Ökonomie ist durch die Immobilienkrise in den USA wenn überhaupt nur indirekt betroffen. Da das Finanzwesen des Landes ausschließlich auf die Binnenwirtschaft konzentriert ist, muss die Bankenwelt die Turbulenzen nicht fürchten. Andererseits sind die USA der mit Abstand größte Abnehmer vietnamesischer Waren, so dass es Befürchtungen gibt, die Exportwirtschaft könne Schaden nehmen.

Beobachter halten diese Gefahr allerdings für gering, da die Ausfuhren in die USA auch im ersten Quartal 2008 stark zugenommen haben. Der lokale Finanzsektor ist trotz des WTO-Beitrittes im Januar 2007 ausschließlich auf das eigene Land konzentriert. Es ist bislang kein einziger Fall bekannt, dass ein Institut sich - in welcher Form auch immer - im Ausland engagiert hätte. Und da es bislang nur zwei ausländische Banken - die Hongkong and Shanghai Banking Corporation (HSBC) sowie die Standard Chartered Bank - geschafft haben, eine Lizenz für einehundertprozentige Tochter in Vietnam zu bekommen, sind auch die internationalen Banken vor Ort von eventuellen Turbulenzen kaum betroffen - es sei denn, über ihre Mütter.

Die Immobilienkrise in den USA hat daher auf den vietnamesischen Finanzsektor keinerlei direkte Auswirkung. Obwohl die Branche vor großen Herausforderungen steht, sind diese in erster Linie hausgemacht. Hierzu zählt eine ungewöhnlich hohe Verschuldung des Ausfuhrsektors (Exportfinanzierungen) sowie der Importbranchen. Ein beträchtliches Leistungsbilanzdefizit gepaart mit hohen Inflationsraten und einem stark überhitzten Immobiliensektor stellt Banken und Finanzdienstleister vor große Probleme, die aber mit der Entwicklung in den USA nichts zu tun haben.

Anders sieht es für die Exportwirtschaft aus. Der Abwärtstrend des US-Dollar, der seit dem dritten Quartal 2007 immer steiler nach unten zeigte, ließ auch den vietnamesischen Dong nicht unberührt. Dennoch war die Aufwertung des Dong - verglichen mit anderen Währungen - nur marginal. Während beispielsweise der Euro im ersten Quartal 2008 im Vergleich zum Vorjahresquartal gegenüber dem US-Dollar um 14,4 Prozent aufwertete, stiegt der Dong nur um 2,0 Prozent.

Warnungen, die Aufwertung gefährde die Exporte in den wichtigsten Auslandsmarkt, die USA, sind dennoch bislang nur Spekulation. Die Zahlen sprechen jedenfalls eine andere Sprache. Die USA nahmen 2007 rund 21,0 Prozent der vietnamesischen Gesamtausfuhren ab, an zweiter Stelle stand Japan mit einem Anteil von 12,4 Prozent.

Im Jahr 2007 entfielen 77,4 Prozent der Ausfuhren in die USA auf nur fünf Produktkategorien: Bekleidung, Möbel,Schuhe, Rohöl sowie Meeresfrüchte. Abgesehen von Rohöl sind dies Erzeugnisse, die überwiegend zu den preisgünstigen Handelsgütern gezählt werden müssen. Die Krise in den USA und die moderate Aufwertung des Dong zeigten im 1. Quartal 2008 jedenfalls keine Auswirkung.

Während der gesamte US-Import in den ersten drei Monaten des Jahres im Vergleich zur Vorjahresperiode nur um 11,2 Prozent zulegte, stiegen die Einfuhren aus Vietnam im gleichen Zeitraum um 27,7 Prozent, in den fünf wichtigsten Produktkategorien sogar um 31,7 Prozent. Der hohe Ölpreis ließ die Lieferungen um 127,3 Prozent nach oben klettern, und auch alle anderen Erzeugnisse wiesen hohe zweistellige Zuwachsraten auf. Auch im März 2008, als die gesamten US-Importe im Vergleich zum Vorjahresmonat nur um 5,6 Prozent stiegen, wuchsen die Bezüge aus Vietnam um 14,8 Prozent. Ein Rückgang der vietnamesischen Lieferungen in die USA ist daher mit großer Wahrscheinlichkeit auszuschließen.

Ähnlich sieht die Situation mit dem zweitgrößten Abnehmerland Japan aus. Der Dong schwankt zum japanischenYen seit Jahresbeginn zwar etwas stärker als zum US-Dollar, jedoch immer noch in relativ engen Bandbreiten von etwa 5 Prozent. Nach japanischen Angaben erhöhten sich die Einfuhren aus Vietnam im 1. Quartal 2008 im Vergleich zur Vorjahresperiode - auf Yen-Basis - um 42,2 Prozent. Auch Japan importiert vornehmlich Rohöl, Meeresfrüchte, Bekleidungsowie Möbel aus Vietnam.





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