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Als der weltbekannte Chiphersteller ?Intel? am Ende eines Eignungstests feststellen mußte, dass von 2.000 Studenten der fünf besten technischen Universitäten in Vietnam nur 40 den firmeneigenen Mindestwissenstandards entsprechen, war das ein trauriger Rekord: in keinem anderen Land, in dem Intel präsent ist, waren die Zahlen schlechter. Kein Wunder also, dass vietnamesische Eltern, die schon lange vor Intel ihre Erfahrungen mit der mangelhaften Qualität des Bildungssystems gemacht haben, pro Jahr über eine Milliarde US-Dollar für die Bildung ihrer Kinder in Übersee ausgeben. Auch in der Berufsausbildung, deren Qualität entscheidend für die zukünftige Entwicklung der Wirtschaft des Landes ist, brennt das Qualitätsproblem unter den Nägeln.
In einer am 3. Juni des Jahres veröffentlichten Pressemitteilung erklärte Nguyen Thien Nhan, Vize Premier und gleichzeitig Bildungsminister, dass die meisten Unternehmen in Vietnam keine qualifzierten Facharbeiter fänden. In der südlichen Provinz Can Tho zum Beispiel hätten nur 22,5 Prozent der Arbeiter eine Ausbildung abgeschlossen. Gleichzeitig steigt die Nachfrage nach qualifizierten Arbeitnehmern bei anhaltend hohen Wirtschaftswachstumsraten sprunghaft an. Während heute geschätzte 240.000 Unternehmen etwa neun Millionen Arbeiter beschäftigen werden in naher Zukunft, im Jahr 2010, bereits 500.000 Unternehmen erwartet, die zusätzlich 2,7 Millionen Arbeiter benötigen werden, davon 40 Prozent, also über eine Millionen Fachkräfte. Einer Umfrage des japanischen Industrieverbandes JETRO zufolge hatten im vorletzten Jahr (2006) 65,7 Prozent der Mitgliedsfirmen Probleme, Fachkräfte für das mittlere Produktionsmanagement zu finden. Mitarbeiter, welche die im Rahmen eines Produktionsprozesses anfallenden Aufgaben, unter Einhaltung von Qualitäts- und Zeitvorgaben ausführen, oder deren Ausführung überwachen können. Andere Firmen berichten wiederholt über massive Produktionsprobleme wegen mangelnder Teamarbeit unter Arbeitern und Fachkräften. Bei Vorarbeitern gehören dazu mangelnde Eigeninitiative bei Problemlösungen, ganz zu schweigen von vorausschauendem Denken und Handeln zur Vermeidung von Störungen. Zur Frage, wie sich die Qualität der Berufsausbildung spürbar verbessern läßt, äußerte sich Vizepremier Nhan kürzlich in einer Telefonkonferenz und empfahl eine engere Zusammenarbeit von Schule und Wirtschaft. Ziel dieser wichtigen Kooperation seien nicht nur schnellere Reformen veralteter Berufsbildungslehrpläne, sondern auch jungen Menschen bereits während der Ausbildung praktische Erfahrungen zu ermöglichen ? ein Appel an alle Unternehmen, Praktikantenplätze anzubieten und proaktiv über Beschäftigungsmöglichkeiten für Facharbeiter zu berichten. Gleichzeitig sollen die Auszubildenden über zukünftige Anforderungen beim Eintritt ins Arbeitsleben informiert werden. Wer die Empfehlung des Ministers Ernst nimmt, kann sich und seinem Unternehmen neue Chancen bei der immer schwierigeren Suche nach ausgebildeten Fach- und Führungskräften sichern. Anstatt über den Mangel an ausgebildeten Arbeitnehmern zu klagen, gilt es strategisches Personalmarketing zu betreiben und dabei eng mit den verschiedenen Berufsausbildungeinrichtungen zu kooperieren. So können Unternehmen durch gezielte Praktikantenprogramme bereits frühzeitig erkennen, welche Berufsschüler über die notwendigen technischen Fertigkeiten und Sozialkompetenzen verfügen. Andere Unternehmen stellen den Berufsschulen stundenweise eigenes Personal zur Fortbildung von Berufsschullehrern oder Ausbildung der Berufsschüler zur Verfügung. Denn in vielen Berufsbildungsinstitutionen sind zwar geeignete Maschinen und Anlagen für Ausbildungszwecke zu finden, nur werden sie - wenn überhaupt - nur unzureichend genutzt, weil das eigene Lehrpersonal nicht über das notwendige Know-how verfügt. Andere Unternehmen arbeiten unmittelbar wirtschaftlich mit Berufsschulen zusammen, nutzen und bezahlen diese als Lieferanten von Vorprodukten. Alle Parteien können von dieser Zusammenarbeit profitieren: die Schulen erwirtschaften dringend benötigte Einnahmen, die Betriebe empfehlen sich als Arbeitgeber und die Schüler lernen nicht länger nur für die Schule, sondern für das reale Arbeitsleben. Die Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit GmbH (GTZ) fördert bereits seit rund zehn Jahren im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) die berufliche Bildung in Vietnam. Derzeit unterstützt die GTZ zusammen mit der Kreditanstalt fuer Wiederaufbau (KfW) im Rahmen des ?Promotion of Technical and Vocational Education and Training (TVET)?-Projektes die Kooperation von Schule und Wirtschaft. Mit Hilfe erfahrener Berufsbildungspraktiker werden Aus- und Fortbildungsmodule, sowie Lehr- und Lernmaterialien den Bedürfnissen der Wirtschaft angepasst und entwickelt. Im Rahmen von ?Public-Private-Partnership?-Projekten können Unternehmen nicht nur langfristig in die Aus- und Fortbildung von Fachkräften investieren, dabei neue Märkte erschliessen und für ihr Image als sozial verantwortliches Unternehmen etwas tun. Ein Beispiel ist die japanische Firma Muto, die Gieß- und Spritzformen für die industrielle Produktion fertigt, und hausintern 170 Fachkräfte ausgebildet hat. Durch dieses Engagement konnte die Fluktuation qualifizierter Fachkräfte spürbar gesenkt werden ? ein gelungenes Beispiel für effektives und kostengünstiges Personalmanagement. Non tun sich die meisten Unternehmen mit den Empfehlungen von Vizepremier Nhan schwer. Vorausschauende Unternehmer sollten ihm für den Hinweis dankbar sein, denn Arbeitgeber, die sich in der Berufsbildung engagieren, werden das Rennen machen. # Vietnam-German Know-how Company House 20, Lane 535/2 Kim Ma Street Hanoi / Vietnam Tel.: 84 4 7711559 Fax: 84 4 7711551 Email: andreas.dernbach@vietnam-german-know-how.com Web: http://www.vietnam-german-know-how.com