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Vietnams Industriesektor konnte zwischen 1990 und 2005 seinen Anteil an der Gesamtwirtschaft von knapp 23 Prozent auf mehr als 40 Prozent ausbauen. Parallel dazu stieg die Luftbelastung in den Ballungsräumen deutlich. Die Industrialisierungspläne der Regierung bedeuten eine weitere Zunahme von Emissionen und werden den Bedarf an Ausrüstungen zur Kontrolle sowie an Investitionen zur Verbesserung der Luftqualität verstärken.
Die zunehmende Belastung der Luftqualität in dem südostasiatischen Land geht sowohl auf eine wachsende Bevölkerung und rapide Verstädterung als auch auf das hohe Wirtschaftswachstum der letzten Jahre zurück. Das US-Handelsministerium nennt in einer Studie über die Marktchancen für Umweltschutzausrüstungen drei wesentliche Kategorien von Produktionsstätten, die eine kritische Rolle bei der Luftreinhaltung spielen: aus den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts stammende kleine und mittlere Industrieunternehmen, neuere Anlagen des Verarbeitungssektors und traditionelle Fabriken in ländlichen Gegenden. Die Betriebe aus den 70er-Jahren arbeiten häufig auf Kohle- und Erdölbasis und haben nur selten Investitionen in effiziente Luftreinhaltetechnik getätigt. Neu errichtete Produktionsstätten mit Nachrüstungsbedarf befinden sich in vielen sogenannten "Industrial Zones", die sich hauptsächlich auf Regionen im Südwesten (53%), die Landesmitte (18%) und das Delta des Roten Flusses (18%) verteilen. Die Verabeitungsbetriebe auf dem Lande tragen erheblich zur Verunreinigung der Luft bei. Zu den Hauptverursachern gehören die Branchen Nahrungsmittel, Textilien und Bekleidung, Papier, Maschinenbau, Chemie sowie Handwerk und Kraftwerks- sowie Bauwirtschaft, die teils mit veralteter Technik produzieren und oft einen hohen Einsatz von Rohstoffen und Energie aufweisen. Viele Standorte liegen ferner wegen fehlender Planung inzwischen mitten in bevölkerungsreichen Wohngebieten. Als Wachstumszentren mit besonderer Problematik für die Luftqualität gelten Ho Chi Minh City, die Hauptstadtregion Hanoi, Da Nang und Binh Duong. Die von der industriellen Produktion verursachten Emissionen betreffen die Verbindungen Schwefeldioxid (SO2), Stickstoffdioxid (NO2), Stickoxid (NOx), Kohlenstoff (Co)/Kohlendioxid (CO2), Schwefelsäure (H2S) sowie Feinstäube und flüchtige organische Bestandteile. Für etwa 95 Prozent aller SO2-Emissionen tragen Industrie- und Handwerksbetriebe die Verantwortung. Eine genaue Erfassung der jeweiligen Luftbelastung steht am Anfang der Problembekämpfung. Die meisten der mehr als 800.000 kleinen und mittleren Unternehmen in Vietnam liefern jedoch kaum Angaben für die Statistik der Umweltschäden. Zunächst ist deshalb oft die Beschaffung und Installation von Monitoring- und Messsystemen zur Luftqualitätsüberwachung erforderlich, um die Belastungen in den Industriezentren abschätzen zu können. Hersteller von entsprechenden Instrumenten können sich gute Absatzchancen ausrechnen. Nach einer Untersuchung bei 185 Unternehmen in sechs wichtigen Industriezweigen verwendeten diese Betriebe zur Behandlung/Bekämpfung ihrer Emissionen vor allem Ventilations- oder Filtervorrichtungen, Sprühanlagen sowie Absorptionsmittel verschiedener Herkunft. Als weitere Maßnahme planten viele Produktionsstätten eine Erhöhung der Abluft führenden Kamine. Verunreinigungen durch die chemische und die metallverarbeitende Industrie wurden von etwa der Hälfte der Betriebe über den Einbau von Filtern abgefangen. Für den Kraftwerkssektor sind massive Investitionen in die Rauchgasentschwefelungerforderlich. Bei der weiteren Industrialisierung sollen laut Ministry of Industry drei Bereiche im Vordergrund stehen. So will das Land seine Wettbewerbsvorteile bei Textilien und Bekleidung, in der Verarbeitung von Agrar- und Fischereierzeugnissen und der Elektronikfertigung ausspielen. Als zweites nennt der "Socio-Economic Development Plan 2006 bis 2010" sogenannte infrastrukturbasierte Industrien, wie Metallverabeitung, Stromerzeugung, Chemie (Düngemittel), Baumaterialien (Zement). Über ein hohes Entwicklungspotential verfügen danach drittens die Softwareentwicklung und der Bereich "Mechanical Processing". Diese Branchen benötigen teilweise einen hohen Input an Material und Energie und beeinträchtigen die Luftqualität erheblich, zum Beispiel in Gestalt von Kraftwerken, Zementherstellung, Düngemittelerzeugung, Stahlwerken und Chemieanlagen. Künftig werden in Vietnam auch internationale Umweltqualitätsstandards, wie ISO 9000 und ISO 14000, Anwendung finden. Seit 2005 gilt ein revidiertes Law on Environment Protection (LEP), das genauere Umweltüberprüfungen und -evaluierungen für bestimmte Projekte vorschreibt. Umweltverschmutzer sollen künftig durch die Behörden ermittelt und benannt sowie mit Gebühren belegt werden können. Die Behörden werden von der Regierung im übrigen ermächtigt, stark umweltbelastende Industriebetriebe aus Wohngebieten in Industriezonen umzusiedeln oder gar zu schließen. Künftig soll generell bei der Beschaffung von Technik mehr auf deren Umweltfreundlichkeit und beim Einsatz von Material und Energieauf Effizienz Wert gelegt werden. Bestehende lokale Standards auf dem Gebiet der Luftreinhaltung sind: Ambient Air Quality Standard (TCVN 5937-1995); Maximum Allowable Concentration of Hazardous Substances in Ambient Air (TCVN5938-1995); Industrial Emission Standards of Inorganic Substances in Industrial Zones (TCVN 6991-2001), Urban Areas (TCVN 6992-2001) and Rural Areas (TCVN 6993-2001); Industrial Emission Standards of Organic Substances in Industrial Zones (TCVN 6994-2001), Urban Areas (TCVN 6995-2001) and Rural Areas (TCVN 6996-2001). Genaue Angaben über das Marktvolumen für Ausrüstungen und Anlagen zur Überwachung/Kontrolle von industriellen Belastungen der Luft und zur Behandlung/Verhinderung von Emissionen sind nach Angaben von Experten in Vietnam nicht erhältlich. Bis 2010 will die Regierung in Hanoi ihr finanzielles Engagement für Umweltschutzmaßnahmen von ein auf zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts verdoppeln. Inoffizielle Schätzungen zufolge gehen etwa zehn Prozent aller Aufwendungen auf den Bereich Luftreinhaltung entfallen. Für 2006 wurde daraus ein Wert von etwa 57 Millionen US-Dollar errechnet. Die für das südostasiatische Land bedeutendsten ausländischen Lieferanten von Ausrüstungen zur Luftreinhaltung kommen aus Japan, Deutschland, Frankreich, Großbritannien und weiteren europäischen Ländern sowie den USA. Diese profitieren dem Vernehmen nach auch am meisten von Lieferungen im Rahmen der offiziellen Entwicklungszusammenarbeit. Vorrangig werden in diesem Rahmen Überwachungssysteme für die Luftqualität beschafft als erste Stufe auf dem Weg zur Reduktion von Verschmutzungen. Lokale Vertreter sind dem Vernehmen nach am besten geeignet, die notwendigen Kontakte mit städtischen beziehungsweise staatlichen Stellen zu knüpfen, um im Vertrieb von Produkten zur Verbesserung der Luftqualität erfolgreich zu sein. Sie müssen ferner in der Lage sein, für die Käufer einen guten After-Sales-Service zu gewährleisten. Manche Firmen gründen auch eigene Repräsentanzen, um den Markteintritt in Vietnam zu erleichtern.