
Handyhersteller und Netzbetreiber erfreuen sich derzeit am dynamischsten Mobilfunkmarkt in Asien. In- und ausländische Anbieter versuchen über attraktive Angebote, ihre Marktpositionen auszubauen. Trotz kontinuierlicher Preisrückgänge verheißen hohe Zuwachsraten gute Geschäfte. Darüber hinaus geht der Trend zur Erschließung ländlicher Räume und zur verstärkten Ausdifferenzierung der Produkte. Allerdings könnte die gegenwärtig aufbrechende Konsumkrise der Aufwärtsentwicklung zumindest einen Dämpfer versetzen.
2005 hatte die größte Telekommunikationsfirma des Landes, die Vietnam Posts and Telecommunications Corporation (VNPT), einen Anstieg bei der Zahl der Handybesitzer von 5,3 Millionen zur Jahresmitte auf 21,2 Millionen Personen Ende 2008 prognostiziert. Zwar sind keine aktuellen Informationen verfügbar, allerdings gilt diese Prognose mittlerweile als deutlich zu niedrig angesetzt - wenn auch Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur "Vietnam News Agency" von über 45 Millionen Abonnenten bei einer Bevölkerungszahl von etwa 85 Millionen Personen erheblich zu hoch gegriffen scheinen. Bei aller Unsicherheit des Datenmaterials ist eines dennoch klar: Der Markt boomt. Nach einer Untersuchung der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) sollen 2008 rund 8 Millionen Handys verkauft werden, doppelt so viele wie 2006. Glitzernde Fachgeschäfte mit den begehrten Luxushandys in Glasvitrinen finden sich heutzutage nicht mehr nur in Ho Chi Minh City oder in Hanoi. Zugleich richtet sich das Angebot immer weniger allein an die gut Verdienenden, sondern zunehmend an breite Käuferschichten.Anders als noch vor wenigen Jahren gelten Handys immer weniger als Statussymbol, sondern zunehmend als Alltagsgegenstand. Nach Informationen des größten Einzelhändlers der Branche, The Gioi Di Dong,kauften im Januar 2008 beispielsweise 34 Prozent der Kunden Handys in der Preisklasse zwischen umgerechnet 90 bis 180 US-Dollar, rund ein Viertel mehr als ein Jahr zuvor. 2005 hielten in Ho Chi Minh City Handys in derPreisklasse von 190 bis 255 US-Dollar über 30 Prozent Marktanteile. Die Hersteller stellen sich auf die neue Entwicklung ein, indem sie besonders preiswerte Produkte für weniger finanzkräftige Kunden wie jugendliche oder ländliche Konsumenten auf den Markt bringen. In den höheren Preiskategorien versuchen die Anbieter, sich über immer differenziertere Produkte von ihren Wettbewerbern abzugrenzen. Einen harten Kampf um Marktanteile liefern sich die bereits präsenten Firmen Sony Ericsson (Japan/Schweden), Motorola (USA), BenQ-Siemens (Taiwan), Nokia (Finnland) und Samsung (Südkorea). Wie jüngst bekannt wurde, wollen die Koreaner in der Provinz Bac Ninh, nördlich der Hauptstadt Hanoi, umgerechnet 32,1 Millionen Euro in den Bau einer Handyfabrik investieren. Dort sollen jährlich circa 30 Millionen Mobiltelefone produziert werden, schrieb "PC-Welt". Die Produktion könnte auf 100Millionen Einheiten gesteigert werden. Die vier größten Provider des Landes sind MobiFone, VinaPhone, Viettel und S-Fone. Zuwachsraten von 60 bis 70 Prozent machen den vietnamesischen Mobilfunkmarkt aber darüber hinaus für ausländische Telefongesellschaften attraktiv. Telenor (Norwegen), NTT DocoMo (Japan), Vodafone (Großbritannien) und Lucent Technologies (USA) stehen in den Startlöchern, so die "Vietnam News Agency". Tatsächlich versucht der Staat über "Equitization", wie die Privatisierung im "Amtsvietnamesisch" umschrieben wird,Anteile an seinen Provider-Gesellschaften an private Anleger zu verkaufen. Schlagzeilen machte zuletzt die Joint-Venture-Vereinbarung zwischen der russischen Mobilfunkfirma Vimpel Communications (VimpelCom) und ihrem vietnamesischen Partner, der Global Telecommunications Corporation. Letztere war erst im November 2007 unter Federführung des Ministry of Public Security aus der Taufe gehoben worden. Das angestrebte Gemeinschaftsunternehmen soll GSM-Mobilfunkdienste unter dem Namen GTel Mobile anbieten. Außerdem ist es zu Post-, Telefon- und IT-Dienstleistungen berechtigt sowie zur Produktion und zum Vertrieb von Elektronikteilen (einschließlich Im- und Export). Einer AFP-Nachricht zufolge wird VimpelCom 40 Prozent der Joint Venture-Anteile im Wert von 267 Millionen US-Dollar halten, Global Telecom 51 Prozent und 9 Prozent eine vietnamesische Untereinheit des Staatskonzerns. Bislang bieten sechs Mobilfunkbetreiber in Vietnam GSM- oder CDMA-Standard an. Trotz aller optimistisch stimmenden Meldungen ist auch der vietnamesische "Handy-Himmel" nicht frei von Wolken. Noch ungeklärt ist, wie sich die zum 1. August 2008 notwendigen automatischen Importlizenzen für verschiedene Elektronikprodukte wie Mobiltelefone auf den Handymarkt auswirken werden. Händler gehen zunächst von einer allgemeinen Verteuerung aus, da die Beschaffung der Lizenzen zusätzliche Kosten verursacht. Die Importlizenzen gehören zu den vom Ministry of Industry and Trade (MOIT) ergriffenen Maßnahmen zur Eindämmung des eklatanten Handelsbilanzdefizits des Landes. Allerdings sollen sie überdies die Zahl der illegal ins Land kommenden Geräte reduzieren - mit entsprechenden positiven Wirkungen auf den offiziellen Handel. Mehr Kopfzerbrechen bereitet der Branche die massive Konsumflaute, die das Land seit etwa Beginn des Jahres 2008 erfasst hat. Inflationsraten von zuletzt 27 Prozent (Juli 2008) bei Preisanstiegen für Nahrungsmitteln von bis zu 74 Prozent im Vorjahresvergleich lassen viele Verbraucher weniger notwendige Ausgaben auf die lange Bank schieben und könnten deshalb manchem Mobilfunkhändler und Netzbetreiber die Bilanz verhageln.