
"Bis 2010 wird die Papierindustrie in der Lage sein, die heimische Nachfrage zu decken", so die Vietnam Paper and Pulp Association (VPPA) auf einer Konferenz in Ho Chi Minh City im Juli 2008 laut einer Meldung der "Vietnam Business Finance".
Damit hätte sich die Branche viel vorgenommen. Noch 2007 konnte sie die inländische Nachfrage nur zu etwa 60 Prozent bedienen. Ein vietnamesischer Konsument verbraucht rechnerisch pro Jahr nur etwa 10 bis 15 kg Papier (Deutschland: rund 253 kg). Besonders groß ist die Diskrepanz bei Qualitätserzeugnissen. Um Abhilfe zu schaffen, fehlt es den Herstellern nach Ansicht der Vietnam Papermaking Association (VPA) vor allem an Investitionskapital. Ein noch drastischeres Bild bietet sich im Zellstoffbereich. Der lokale Output reicht seit Jahren gerade für ein Drittel des inländischen Konsums aus. Etwa 150.000 Tonnen Zellstoff mussten deshalb 2007 importiert werden. Die hohe Abhängigkeit von Zellstoffimporten aus dem Ausland zieht weitere Probleme nach sich.Da die meisten Hersteller gemäß ihren Weiterverarbeitungskapazitäten nur kleine Mengen bestellen können, erwerben sie diese zu verhältnismäßig ungünstigen Konditionen. Das hohe Preisniveau aus überdurchschnittlichen Einkaufspreisen verbunden mit internationalen Preissteigerungen von über 20 Prozent seit Jahresbeginn 2008 sowie die ineffizienten Herstellungsstrukturen bekommen letztlich direkt die vietnamesischen Konsumenten zu spüren. Tatsächlich handelt es sich bei den meisten der über 300 vietnamesischen Papier- und Zellstoffmühlen um kleine und mittlere Betriebe mit einer durchschnittlichen Herstellungskapazität von 3.000 Tonnen jährlich. Die Mehrheit der Branche befindet sich in privater Hand. Ihnen stehen laut "Vietnam Industry Outlook 2006" 28 staatseigene Unternehmen gegenüber, allen voran der derzeit auf Rang 16 der größten vietnamesischen Unternehmen positionierte Staatsgigant Vietnam Paper Corporation (VINAPIMEX). Auf ihn entfallen über 80 Prozent der Papierherstellungskapazitäten. Das Gros der Betriebe arbeitet bislang mit Technologien, die der Weltentwicklung zehn bis zwanzig Jahre oder sogar länger hinterherhinken; allerdings haben beispielsweisedie zu VINAPIMEX zählenden Firmen Bai Bang und Tan Mai bereits erste Maßnahmen zur Modernisierungergriffen. VINAPIMEX schätzt, dass der vietnamesische Papiermarkt getrieben von der wachsenden Inlandsnachfrage und der beträchtlichen Exportzunahme in den kommenden Jahren um die 15 Prozent per annum zulegen kann. Entsprechend wird beispielsweise der Verbrauch von Verpackungspapier in die Höhe getrieben. Etwa 580.000 Tonnen Verpackungspapier wurden 2006 benötigt, davon mussten 45 Prozent aus dem Auslandbezogen werden. Angesichts der günstigen Entwicklungsperspektiven will beispielsweise die Tan Mai Paper Joint StockCompany umgerechnet 185 Millionen US-Dollar in den Bau einer neuen Papier- und Zellstoffmühle mit einer jährlichen Produktionsleistung von 200.000 Tonnen Papier und 130.000 Tonnen Zellstoff in der Provinz Quang Ngai investieren. Wie die "Vietnam Investment Review" berichtete, stehen allerdings noch einige Gutachten und Genehmigungen aus. Tan Mai erzeugt gegenwärtig bereits etwa 70 Prozent des lokalen Zeitungspapiers. DasProjekt, so die VPMA, wäre ein ganz entscheidender Schritt, die Industrie autarker zumachen. Hintergrund für alle Aktivitäten ist nicht zuletzt der Masterplan des Ministry of Industry, die Papier und Zellstoffindustrie bis 2020 mit 6 Milliarden US-Dollar zu fördern. Davon sollen 5,4 Milliarden in den Ausbau der Kapazitäten fließen, die restlichen Gelder sind für Investitionen in verbundene Sektoren vorgesehen. Auch ausländische Firmen beteiligen sich an dem Boom. So startete der größte thailändische Papierhersteller, die Siam Cement Group (SCG), 2007 mit dem Bau einer auf 220.000 Tonnen Jahreskapazität ausgelegten Anlage für Kraftpapiere. Sie wird dann die größte ihrer Art des Landes sein. Produktionsstartdes 220 Millionen US-Dollar teuren Vorhabens in der südvietnamesischen Provinz Binh Duong ist für 2009 vorgesehen; 70 Prozent des Outputs sind für den Inlandsmarkt bestimmt. Einer der größten chinesischen Wellpappeanbieter, die in Hongkong gelistete Firma Lee & Man, wird kurzfristig ihre Wellpappeproduktionslinie etwa 200 km südlich von Ho Chi Minh City in Betrieb nehmen (Kapazität: 320.000 Jahrestonnen, außerdem 150.000 Tonnen Zellstoff). Ein Mammut-Vorhaben planen die japanischen Papiergiganten Sojitz Corporation und Oji Paper. Wie die "Vietnam Investment Review" anmerkte, geht es bei der 1,2 Milliarden US-Dollar teuren Investition in Danang um nichts weniger als um eine Quasi-Verdopplung der bestehenden Zellstoffkapazitäten des Landes. Während sich die Kapazitäten der lokalen Hersteller 2007 auf 320.000 Jahrestonnen summierten, soll die neue Fabrik der Japaner allein 300.000 Tonnen fertigen können. Die Betriebsaufnahme ist für 2010 angesetzt. Hauptlieferant für Papier und Zellstoff war in den letzten Jahren unangefochten Indonesien mit einem Lieferanteil von rund 30 beziehungsweise 35 Prozent. Im Papiersegment spielten darüber hinaus Südkorea, Taiwan und Japan mit je etwa 15 Prozent eine Rolle. Aus Deutschland kamen circa 5 Prozent der Papierimporte. Im Zellstoffbereich wird der deutsche Lieferanteil auf etwa 10 Prozent veranschlagt. Darüber hinaus wird Vietnam angesichts des Mangels an Zellstofffabriken und nur bescheidener Investitionen in die Forstwirtschaft in den kommenden Jahren ein guter Absatzmarkt für Altpapier bleiben. Hauptabnehmer sind rund 1.000 Kartonherstellern des Landes. Etwa 70 bis 80 Prozent der von ihnen produzierten Kartons sind für den Export bestimmt. Mit dem Ausbau der vietnamesischen Papierindustrie steigen die Chancen auf ausländischer Lieferanten von Papiermaschinen. So verkaufte die österreichische Andritz-Gruppe zu Beginn des Jahres 2008 eine leistungsstarke Tissue-Maschine für die Herstellung von Gesichtstüchern, Toilettenpapier und Papiertaschentüchern an die Saigon Binh Dinh Paper Corp. Bereits 2007 konnte die finnische Metso Corp. den Verkauf der bislang größten im Land installierten Papiermaschine feiern (Jahreskapazität: 400.000 Tonnen).Während bislang im Norden Vietnams Produkte chinesischer Provenienz überwiegen, kamen im Süden in der Vergangenheit vorwiegend Maschinen aus Deutschland, Großbritannien, Frankreich oder Taiwan zum Einsatz. #Vietnam Paper Making Association (VPMA) 18 C Pham Dinh Ho, Hai Ba Trung DistrictHanoi Tel.: 84 4 8210455Fax: 84 4 9718684 Email: vnpaper@hn.vnn.vn