Asien Kurier  1/2010 vom 1. Januar 2010
China

Konjunkturprogramm zum Infrastrukturaufbau

Von Corinne Abele, Germany Trade & Invest in Beijing

Chinas Infrastrukturbau hat im 1. Halbjahr 2009 wesentlich zum zweistelligen Wachstum der Baubranche beigetragen. Mit dem Konjunkturprogramm wurden schnell Vorhaben angesto´┐Żen beziehungsweise Projekte, die bereits in den F´┐Żnfjahresbudgets verschiedener Ministerien vorgesehen waren, vorgezogen und umgesetzt. Der Ausbau des Eisenbahnnetzes l´┐Żuft auf Hochtouren. Im Flughafenbau stiegen die Investitionen in den ersten acht Monaten 2009 um mehr als 24 Prozent.

Bis Ende Mai 2009 stellte die chinesische Zentralregierung fast 164 Milliarden Renminbi Yuan f´┐Żr Bahn-, Stra´┐Żen-, Flughafen- und Hafenausbau zur Verf´┐Żgung. Der gr´┐Ż´┐Żte Teil davon entfiel auf den Bahnbau mit 73,2 Milliarden Renminbi, gefolgt vom Stra´┐Żenbau mit 65,3 Milliarden Renminbi sowie dem Flughafen(aus)bau mit 17,1 Milliarden Renminbi. Auf den Ausbau der Wasserwege entfielen 7,9 Milliarden Renminbi.

Unterst´┐Żtzt durch das Konjunkturprogramm l´┐Żuft der Ausbau des chinesischen Schienennetzes auf Hochtouren. Gem´┐Ż´┐Ż NBS-Daten stiegen die Investitionen in den Bahntransport in den ersten acht Monaten 2009 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 103,5 Prozent. Nach Darstellung des China Engineering Projects Network (Zhong Guo Gongcheng Xiangmu Wang) sollen derzeit rund 150 wichtige Eisenbahnprojekte in Planung und Bau sein mit Gesamtinvestitionen 1.200 Milliarden Renminbi. Laut China Engineering Projects Network soll das Ministerium f´┐Żr Eisenbahnwesen 2009 bis 2011 etwa 3.500 Milliarden Renminbi in den Streckenausbau investieren. Allein 2009 d´┐Żrften daf´┐Żr etwa 20 Millionen Tonnen Stahl ben´┐Żtigt werden - rund 8 Millionen Tonnen mehr als 2008.

Zu den wichtigsten Strecken geh´┐Żrt unter anderem die Linie von Wuhan nach Guangzhou, die h´┐Żchsten technischen Standards entsprechen soll. Sie ist Teil der Hochgeschwindigkeitsstrecke von Beijing nach Guangzhou, die dann weiter ´┐Żber Shenzhen nach Hongkong gef´┐Żhrt werden soll. Presseberichten zufolge werden seit Juni 2008 monatlich mindestens zwei Bahnprojekte begonnen. Gestartet wurde im Herbst 2009 auch mit dem Bau der 1.629 km langen Bahnstrecke von Chengdu nach Lhasa. Kostenpunkt: knapp 54 Milliarden Renminbi.

Die Regierung nutzt das Konjunkturprogramm vor allem auch, um den Infrastrukturausbau in West- und Zentralchina voranzutreiben. Allein 2009 wird in Westchina mit dem Bau von 18 Gro´┐Żprojekten begonnen, deren Gesamtinvestitionsvolumen sich auf knapp 469 Milliarden Renminbi bel´┐Żuft. Bei den gr´┐Ż´┐Żten f´┐Żnf handelt es sich um Bahnstrecken von Lanzhou nach Urumqi, von Kunming nach Nanning, von Chengdu nach Lanzhou, von Chongqing nach Guiyang und von Xi'an nach Baoji.

Nicht nur in das ´┐Żberregionale Streckennetz wird kr´┐Żftig investiert. Auch der Ausbau des innerst´┐Żdtischen Schienenverkehrs geht voran. Nach Darstellung des Ministry of Housing and Urban-Rural Development (MoHURD) vom August 2009 planen 27 St´┐Żdte den Bau beziehungsweise Ausbau. In 22 St´┐Żdten - darunter Shanghai, Beijing, Guangzhou, Tianjin - wurden bereits Vorhaben genehmigt. Bis 2015 sollen dort 79 neue Linien gebaut werden (im Bau befindliche nicht eingerechnet). Werden sie alle realisiert, sollten bis Ende 2015 insgesamt 158 St´┐Żdte ´┐Żber innerst´┐Żdtischen Schienenverkehr verf´┐Żgen. Allein in Beijing sollen bis 2015 rund 561 km Schienennetz neu hinzukommen.

Genehmigt werden von der Regierung Projekte in St´┐Żdten mit mehr als 3 Millionen Einwohner und einem lokalen j´┐Żhrlichen Bruttoinlandsprodukt von ´┐Żber 100 Milliarden Renminbi; au´┐Żerdem m´┐Żssen die Haushaltseinnahmen der Lokalregierung pro Jahr 10 Milliarden Renminbi ´┐Żbersteigen. F´┐Żr den Bau von oberirdischen Stadtbahnen belaufen sich die einzuhaltenden Kriterien auf 60 Prozent der genannten Summen. Rund 50 St´┐Żdte k´┐Żnnen die Kriterien f´┐Żr oberirdische Stadtbahnen erf´┐Żllen.

Auch der Flughafenausbau wird 2009 vorangetrieben. Nach Darstellung der Civil Aviation Administration of China (CAAC) d´┐Żrften sich die Bruttoanlageinvestitionen 2009 auf 80 Milliarden bis 100 Milliarden Renminbi belaufen. Dies w´┐Żrde eine Steigerung von ´┐Żber 30 Prozent zum Vorjahr bedeuten. In den ersten acht Monaten 2009 legten die Investitionen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum laut NBS um 24,6 Prozent zu. 2009 sind 22 gr´┐Ż´┐Żere Flughafenprojekten geplant, darunter Erweiterungen des Tianjin Binhai Flughafens, des Shanghai Hongqiao Flughafens sowie des Urumqi Diwobao Flughafens. Bei zehn Projekten wie beispielsweise beim Ausbau der Flugh´┐Żfen in Chengdu und Xi'an handelt es sich um 2009 neu begonnene Projekte.

Ein bedeutender Anteil an Infrastrukturinvestitionen ist im 1. Halbjahr 2009 in den Bereich Wasserschutz und l´┐Żndliche Wasserversorgung geflossen. Teilweise wurde das Budget im Rahmen des Konjunkturprogramms bereit gestellt. Nach Angaben des Finanzministeriums flossen bis Ende Mai 2009 insgesamt 138 Milliarden Renminbi in l´┐Żndliche Infrastruktur und Verbesserung des Lebensniveaus auf dem Lande. Davon entf´┐Żllt ein Gro´┐Żteil auf Ma´┐Żnahmen des Wasserschutzes und der l´┐Żndlichen Wasserversorgung. Rund 18,8 Milliarden Renminbi wurden in den ersten f´┐Żnf Monaten 2009 in das derzeit gr´┐Ż´┐Żte Wasserprojekt, die S´┐Żd-Nord-Wasserumleitung gesteckt. Weitere 15,8 Milliarden Renminbi wurden f´┐Żr Wartung und Instandhaltung von Wasserreservoirs bereit gestellt. Rund 3 Milliarden Renminbi entfallen auf den Bau von Pumpstationen zur landwirtschaftlichen Bew´┐Żsserung. Die Sicherung der Trinkwasserversorgung auf dem Lande ist seit langem ein Thema, das auf h´┐Żchster Regierungsebene vorangetrieben wird. Im Rahmen des Konjunkturprogramms wurden in den ersten f´┐Żnf Monaten 2009 daf´┐Żr rund 20 Milliarden Renminbi bereit gestellt.