Asien Kurier  8/2009 vom 1. August 2009
Japan / Finanzen

Korrekter Zahlungsverkehr

Von Dr. Detlef Rehn, Germany Trade & Invest in Tokio

Japans Unternehmen bem´┐Żhen sich trotz der internationalen Finanzkrise um eine ordentliche Abwicklung ihrer Zahlungsverpflichtungen.

Leitgedanke ihres Handelns ist, in keinem Fall die bestehenden Gesch´┐Żftsbeziehungen in Frage zu stellen. Trotzdem ist es 2009 in einzelnen F´┐Żllen zu Abweichungen von den gewohnten Formen der Begleichung von Forderungen gekommen.

Die Zahlungsmoral solventer japanischer Unternehmen ist im Allgemeinen sehr gut. Sie legen gro´┐Żen Wert darauf, Vereinbarungen einzuhalten und die gesch´┐Żftlichen Beziehungen zu ihren in- und ausl´┐Żndischen Kunden keinen unerw´┐Żnschten Reibungen auszusetzen. Denn einmal eingegangene Partnerschaften sollen auch schwierige Zeiten ´┐Żberdauern.

Diese Prinzipien werden auch in der gegenw´┐Żrtigen Wirtschafts- und Finanzkrise hochgehalten. Wie in Japan ans´┐Żssige H´┐Żndler von Industriemaschinen berichten, l´┐Żuft der Zahlungsverkehr fast durchweg unproblematisch und in den gewohnten Formen ab. So ist es ´┐Żblich, mit dem Abnehmer einer neuen Anlage eine Anzahlung (bei Auftragserteilung), eine Hauptzahlung (bei Verschiffung) und einen R´┐Żckbehalt (nach Abnahme) zu vereinbaren; eine h´┐Żufig vorkommende Relation ist 30:60:10. Auch sind im Gesch´┐Żft mit Maschinenersatzteilen Schuldscheine ("Tegata") ein verbreitetes Zahlungsinstrument, wobei die Zahlungsziele zwischen 90 und 210 Tagen liegen.

Allerdings sehen sich auch solide arbeitende japanische Unternehmen wegen der Krise einer gro´┐Żen Zur´┐Żckhaltung der heimischen Banken bei der Vergabe von Finanzierungskrediten gegen´┐Żber. Die H´┐Żndler berichten, dass deshalb 2009 in sehr vereinzelten F´┐Żllen von den ´┐Żblichen Formen des Zahlungsverkehrs abgewichen wurde.

Zum einen ist es vorgekommen, dass Firmen bei der Begleichung von Rechnungen um eine Verl´┐Żngerung von Zahlungszielen auf bis zu ein Jahr gebeten haben. Ferner wurden f´┐Żllige Zahlungen dadurch gestreckt, vereinbarte Lieferdaten auf einen sp´┐Żteren Zeitpunkt zu verschieben. Schlie´┐Żlich war auch zu beobachten, dass Maschinenorders auf Leasingfirmen umgestellt werden, und der eigentliche Kunde im Anschluss die Maschine nur geleast hat.

Aus diesen Beispielen kann allerdings nicht auf eine Lockerung der generell guten Zahlungsmoral in Japan geschlossen werden. Die Einzelf´┐Żlle betrafen vor allem Unternehmen, die mit der Kfz-Industrie in gesch´┐Żftlichen Beziehungen stehen. Dieser Bereich geh´┐Żrt zu denen, die am st´┐Żrksten von der Wirtschafts- und Finanzkrise in Mitleidenschaft gezogen wurden.