Asien Kurier  10/2009 vom 1. Oktober 2009
Japan

Sturm in der Schiffbau-Branche

Von Dr. Detlef Rehn, Germany Trade & Invest in Japan

Die internationale Wirtschafts- und Finanzkrise hat den japanischen Schiffbau nicht ungeschoren gelassen. Seit Oktober 2008 ist der Bestelleingang aus dem Ausland drastisch eingebrochen. Trotzdem zeigt sich die Branche noch nicht ´┐Żbertrieben besorgt. Die Werften sind noch auf mehrere Jahre ausgelastet. Unterst´┐Żtzung in Form von Konjunkturspritzen durch den Staat gibt es in Japan nicht.

Japans exportorientierte Schiffbauindustrie ist von der internationalen Wirtschafts- und Finanzkrise stark getroffen worden. Konnten die heimischen Werften, darunter die Schwergewichte Mitsui Engineering & Shipbuilding, Mitsubishi Heavy, Universal Shipbuilding, IHI und Kawasaki Shipbuilding, in der ersten Jahresh´┐Żlfte 2008 gegen´┐Żber dem gleichen Vorjahreszeitraum ´┐Żber 40 Prozent mehr an Bestellungen einholen, sind die Auftr´┐Żge seit Oktober 2008 drastisch gefallen. Wie die Japan Ship Exporters' Association (JSEA) meldet, wurden in den ersten sechs Monaten 2009 nur noch 55 Schiffe mit einer Brutto-Gesamttonnage von knapp 1,16 Millionen CGT (= 2,34 Millionen Gross Tons, GT) geordert; dies waren 77,8 Prozent weniger als im 1. Halbjahr 2008.

Auch in den kommenden Jahren m´┐Żssen sich die japanischen Schiffbauer auf ein geringeres Ordervolumen einstellen. Denn die lokalen Reedereien, auf die 2008 mehr als 90 Prozent der Bestellungen entfielen, fahren angesichts der Wirtschaftskrise ihre Pl´┐Żne zum Ausbau der Flotten zur´┐Żck. Nippon Yusen zum Beispiel gab Ende Dezember 2008 bekannt, bis 2010 seine Flotte nur noch auf etwa 950 statt wie bisher geplant 1.000 Schiffe auszubauen. Auch Mitsui k´┐Żrzt sein Expansionsprogramm.

Trotz dieser insgesamt schlechten Lage zeigt sich die Branche zumindest nach au´┐Żen hin relativ gelassen. Im Gegensatz zur asiatischen Konkurrenz seien in Japan bisher kaum Auftr´┐Żge storniert worden, erkl´┐Żrte Takao Motoyama, der neue Vorsitzende der Shipbuilders' Association of Japan, Mitte Juni 2009 anl´┐Żsslich seines Amtsantritts. Ferner seien die heimischen Werften auf etwa drei bis vier Jahre ausgelastet, und schlie´┐Żlich werde sich der derzeit geringe internationale Frachtverkehr mit der Erholung der Weltwirtschaft ebenfalls wieder beleben.

Unterst´┐Żtzungsma´┐Żnahmen f´┐Żr den Schiffbau gibt es von der Regierung in Tokio nicht und sind nach Auskunft der JSEA auch nicht verlangt worden. Hier schl´┐Żgt Japan einen anderen Kurs ein als etwa S´┐Żdkorea und die VR China, wo der Schiffbau vom Staat massiv gef´┐Żrdert wird. Wie Motoyama ausf´┐Żhrte, sieht Japan in Subventionen dieser Art gro´┐Że Gefahren, denn die Prinzipien des Marktes w´┐Żrden durch den Aufbau von weiteren ´┐Żberkapazit´┐Żten empfindlich gest´┐Żrt.

Um international gegen´┐Żber der preislich g´┐Żnstigeren koreanischen und chinesischen Konkurrenz bestehen zu k´┐Żnnen, wollen die japanischen Werften besonders ihre nach eigener Einsch´┐Żtzung gr´┐Ż´┐Żeren technologischen Vorz´┐Żge zum Tragen bringen. Fl´┐Żssiggastanker (LNG) sind einer der Schwerpunkte. Nach Pressemeldungen von Mitte August 2009 hat zum Beispiel IHI ein Schiff mit kastenf´┐Żrmigen Tanks entwickelt, das 20 Prozent mehr Gas als Modelle mit herk´┐Żmmlichen kugelf´┐Żrmigen Beh´┐Żltern transportieren kann. Ferner hat Mitsubishi Heavy einen neuen Tanker gebaut, bei dem die vier Kugelbeh´┐Żlter als Ganzes noch einmal von einer Au´┐Żenh´┐Żlle, deren Struktur vergleichbar mit der einer Erbsenschote ist, abgedeckt sind. Einer der Vorteile ist, dass das Schiff leichter wird und sich damit Treibstoff sparen l´┐Żsst, hei´┐Żt es in dem Bericht.

Offshore-Plattformen zur Verarbeitung, Speicherung und Verladung von Fl´┐Żssiggas (LNG-FPSO) sind ein anderes, sehr lukratives Feld, das viel Aufmerksamkeit erh´┐Żlt. Zu den japanischen "Kandidaten" mit Chancen auf Auftr´┐Żge f´┐Żr solche Plattformen z´┐Żhlen sowohl die Firmen JGC und Chiyoda wegen ihrer Erfahrungen beim Bau gro´┐Żer LNG-Anlagen als auch IHI aufgrund seines Know-hows bei der Fertigung von schwankungsresistenten Tanks und Inpex, ein Unternehmen, das gerade eine LNG-FPSO entwickelt. Die Werften in S´┐Żdkorea, die ebenfalls viel Interesse an FPSO zeigen, d´┐Żrften die Hauptkonkurrenten f´┐Żr Japan sein.

Adressen

Shipbuilders' Association of Japan
7. Floor Kaiyo Senpaku Building
1-15-16 Toranomon, Minato-ku
Tokyo 105-0001
Tel.: 81 3 3502 2014
Fax: 81 3 3502 2816
Web: www.sajn.or.jp

Japan Ship Exporters' Association
5. Floor, Toranomon No. 30 Building
2-2 Toranomon 3-chome, Minato-ku
Tokyo 105-0001
Tel.: 81 3 5425 9671
Fax: 81 3 5425 9674
Email: [email protected]
Web: www.jsea.or.jp