Asien Kurier  8/2009 vom 1. August 2009
Korea

Wirtschaftsbeziehungen verschlechtern sich rapide

Von Frank Robaschik, Germany Trade & Invest in Seoul

Die Beziehungen zwischen S´┐Żd- und Nordkorea sind seit dem Amtsantritt eines konservativen Pr´┐Żsidenten im S´┐Żden angespannt. Raketen- und Atomtests des Nordens verst´┐Żrken diese Spannungen weiter. Der in den letzten Jahren stark gestiegene bilaterale Warenaustausch wuchs 2008 gerade einmal noch um 1,2 Prozent. In den ersten f´┐Żnf Monaten des Jahres 2009 brach er um fast 30 Prozent ein.

Die Beziehungen zwischen Seoul und Pj´┐Żngjang haben sich seit dem Amtsantritt des s´┐Żdkoreanischen Pr´┐Żsidenten Lee Myung-bak, der dem Norden gegen´┐Żber eine h´┐Żrtere Linie f´┐Żhrt als seine Vorg´┐Żnger, enorm verschlechtert. W´┐Żhrend die beiden Vorg´┐Żngerregierungen im Rahmen der "Sonnenscheinpolitik" Pj´┐Żngjang gegen´┐Żber viel Entgegenkommen zeigten, machte der seit Februar 2008 amtierende Lee Leistungen des S´┐Żdens von expliziten Gegenleistungen des Nordens und vor allem von Abr´┐Żstungsfortschritten im nordkoreanischen Atomprogramm abh´┐Żngig.

Da sich Nordkorea darauf nicht einlie´┐Ż, gerieten neue Projekte, auf die sich beide Seiten bereits im Oktober 2007 verst´┐Żndigt hatten, schnell ins Abseits. Zu diesen geh´┐Żrten unter anderem die Errichtung einer Wirtschaftssonderzone um die nordkoreanische Hafenstadt Haeju herum, der Bau eines Werftenkomplexes in Nampo westlich von Pj´┐Żngjang und die Erweiterung des bestehenden Industrieparks von Kaesong. Zudem standen die Modernisierung der Bahnstrecke von Kaesong nach Sinuiju an der chinesischen Grenze sowie der Autobahn von Kaesong nach Pj´┐Żngjang auf dem Programm.

Seit M´┐Żrz 2008 f´┐Żllt das Volumen des nichtkommerziellen Handels zwischen Nord- und S´┐Żdkorea. Auch dessen Hauptbestandteil, die Hilfslieferungen des S´┐Żdens an den Norden entwickeln sich seit dem stark r´┐Żckl´┐Żufig. Lagen sie 2007 noch bei 328,9 Millionen US-Dollar, so fielen sie 2008 auf 67,1 Millionen US-Dollar. In den ersten f´┐Żnf Monaten von 2009 waren es nur noch 10,5 Millionen US-Dollar. W´┐Żhrend die s´┐Żdkoreanischen humanit´┐Żren Hilfsleistungen zwischen 1999 und 2007 haupts´┐Żchlich aus staatlichen Mitteln bestanden, stammten 2008 zwei Drittel des Gesamtaufkommens hingegen aus privaten Spenden.

Wirtschaftlich relevant war auch das Aussetzen von Reisen an den Berg Kumgang im Juli 2008, nachdem dort eine s´┐Żdkoreanische Touristin erschossen worden war. Auch Touren nach Kaesong wurden im Dezember 2008 vorl´┐Żufig eingestellt. Im Jahr 2008 reisten noch mehr als 300.000 S´┐Żdkoreaner in den Norden, knapp 50.000 Besucher weniger als im Vorjahr.

Damit verblieb an zentralen wirtschaftlichen Kooperationsprojekten lediglich der von s´┐Żdkoreanischer Seite betriebene Industriepark Kaesong in Nordkorea. Aber auch hier versch´┐Żrften sich die Spannungen.

Beispielsweise protestierte im September 2008 Nordkorea gegen die Weigerung des s´┐Żdkoreanischen Pr´┐Żsidenten Lee, einen noch unter seinem Vorg´┐Żnger Roh im Dezember 2007 vereinbarten Bau eines Wohnheims f´┐Żr nordkoreanische Arbeiter in Kaesong durchzuf´┐Żhren.

Wiederholt schloss der Norden im M´┐Żrz 2009 die Grenz´┐Żberg´┐Żnge nach Kaesong. Seit dem 30. M´┐Żrz 2009 wird ein Mitarbeiter der s´┐Żdkoreanischen Firma Hyundai Asan von der nordkoreanischen Seite festgehalten. Hinzu kommen nordkoreanische Raketen- und Atomtests im April, Mai und Juli 2009.

Seoul bem´┐Żht sich um eine gewisse Normalisierung der Lage. F´┐Żr den Norden spielt der Komplex als Devisenbringer eine Rolle. Am 21. April 2009 sprachen die Regierungen erstmals wieder seit mehr als einem Jahr direkt offiziell miteinander. Das Treffen dauerte allerdings nur 22 Minuten, dabei forderte Nordkorea vor allem Lohnsteigerungen und mehr Pacht f´┐Żr das Land.

Diese Forderungen nach einer Erh´┐Żhung der Monatsl´┐Żhne von derzeit durchschnittlich etwa 75 US-Dollar pro Mitarbeiter auf das Vierfache sto´┐Żen auf Widerstand bei den Unternehmen angesichts der begrenzten Produktionseffizienz in Kaesong und eines teilweise ´┐Żhnlich niedrigen Lohnniveaus in anderen asiatischen Staaten. Eine deutliche Anhebung der Pacht, die Nordkorea f´┐Żr den Industriepark beansprucht, steht ebenfalls nicht im Einklang mit vorherigen Vereinbarungen. Weitere Treffen brachten bisher keine ernst zunehmenden Fortschritte. Landesbeobachtern zufolge sind weder Kompromisse noch ein Scheitern der Gespr´┐Żche auszuschlie´┐Żen.

Eine Gefahr f´┐Żr den Industriepark ist auch die bereits jetzt in Mitleidenschaft gezogene Profitabilit´┐Żt der dort ans´┐Żssigen s´┐Żdkoreanischen Unternehmen. Diese beklagen Stornierungen von Auftr´┐Żgen, nachdem Nordkorea die bisherigen Vertr´┐Żge zu Kaesong f´┐Żr ung´┐Żltig erkl´┐Żrt hat. Bereits im Januar 2009 verzeichneten die Firmen in Kaesong Auftragsr´┐Żckg´┐Żnge, weil die Abnehmer nicht sicher waren, ob p´┐Żnktlich geliefert werden kann. Im Mai berichteten f´┐Żr den Industriepark zust´┐Żndige Manager ´┐Żber einen Einbruch der Orders in H´┐Żhe von etwa 30 Prozent.

Anfang Juni 2009 zog sich der Bekleidungshersteller Skin Net als erste Firma aus Kaesong zur´┐Żck. Weitere Unternehmen pr´┐Żften laut Presseberichten ebenfalls ihren Weggang. Seit Januar 2009 stagniert nach Angaben des s´┐Żdkoreanischen Ministry of Unification der Wert der Produktion im Industriepark. Im M´┐Żrz fieler wegen der Schlie´┐Żungen der Grenz´┐Żberg´┐Żnge um 21 Prozent gegen´┐Żber dem gleichen Vorjahresmonat und im Mai um 13 Prozent.

Daten zum innerkoreanischen Handel zeigen dar´┐Żber hinaus, dass neben dem Austausch mit Kaesong vo rallem der regul´┐Żre Handel leidet. Ein Faktor, so beklagen nach Meldungen der s´┐Żdkoreanischen Presse im Norden t´┐Żtige Firmen, sei dabei auch die restriktive Handhabung von Reisegenehmigungen in den Norden. S´┐Żdkorea hatte deren Gew´┐Żhrung nach der Festnahme des Mitarbeiters von Hyundai Asan versch´┐Żrft.

Zur Jahresmitte 2009 gab es der Presse zufolge au´┐Żerhalb des Industrieparks in Kaesong etwa 600 weitere s´┐Żdkoreanische Unternehmen in Nordkorea. Rund 400 davon seien Handelsfirmen, etwa 150 betrieben Fertigungen auf Kommissionsbasis und circa 50, darunter Pyongwha Motors, h´┐Żtten im Norden investiert.

Zur besseren Vertretung von deren Interessen befindet sich seit Juni 2009 ein Verband der in Nordkorea t´┐Żtigen Unternehmen im Aufbau