Asien Kurier  9/2009 vom 1. September 2009
Vietnam

Investieren in Gegenrichtung

Von Dr. Stefanie Schmitt, Germany Trade & Invest in Vietnam

Im Jahr 2008 erreichten nicht nur die ausl´┐Żndischen Direktinvestitionen in Vietnam einen Rekordwert - auch in umgekehrter Richtung waren lokale Unternehmen noch nie so aktiv gewesen. Traditionell ist das Interesse am Nachbarland Laos besonders hoch, aber zwei Gro´┐Żprojekte des staatlichen Erd´┐Żlf´┐Żrderers PetroVietnam haben erstmals Russland und Malaysia ins Zentrum ger´┐Żckt.

Auf der globalen B´┐Żhne ist Vietnam bisher vor allem als Anziehungspunkt von Direktinvestitionen in Erscheinung getreten und weniger als Nation, deren Firmen selbst im Ausland t´┐Żtig werden. In der Tat ´┐Żbersteigen die Gelder, die in das s´┐Żdostasiatische Schwellenland flie´┐Żen, bei Weitem die Betr´┐Żge, welche von vietnamesischer Seite im Ausland investiert werden. Daran wird sich auf absehbare Zeit auch nichts ´┐Żndern. So standen 2008 vereinbarten Direktinvestitionen in Vietnam von 64 Milliarden US$ (davon realisiert: 11,5 Mrd.) in der Gegenrichtung 106 Projekte mit einem registrierten Volumen von knapp 2,1 Milliarden US$ gegen´┐Żber, so die Daten der Foreign Investment Agency (FIA) unter dem Ministry of Planning and Investment. Dessen ungeachtet bedeuten diese 2,1 Milliarden f´┐Żr Vietnam ebenfalls einen Rekordwert - nach 921 Millionen US$ im Jahr 2007. ´┐Żber die Realisierungsrate ist indessen nichts Zuverl´┐Żssiges bekannt.

Hauptinvestitionsziele f´┐Żr Vietnams Unternehmen waren 2008 Russland mit knapp 42 Prozent sowie Malaysia und Laos mit jeweils 21,5 Prozent der vereinbarten Investitionen. Dabei hatten gro´┐Że Einzelvorhaben des Staatskonzerns PetroVietnam in Russland und Malaysia diese beiden L´┐Żnder nach vorne katapultiert. Denn traditionell ist eigentlich Laos Investitionsschwerpunkt f´┐Żr vietnamesische Unternehmen. Bei dem Russland-Projekt erwirbt PetroVietnam einen 49 Prozent-Anteil an dem russisch-vietnamesischen Joint-Venture Rusvietpro mit der russischen Zarubezhneft. Ziel ist die gemeinsame Exploration von ´┐Żllagerst´┐Żtten in Russland. Kooperationen hatten bislang ausschlie´┐Żlich die Gewinnung von Erd´┐Żl in Vietnam zum Inhalt. In Malaysia geht es um ein Leasing-Projekt f´┐Żr ein Spezialschiff (Offshore-Terminal). PetroVietnam bem´┐Żht sich derzeit um weitere Energievereinbarungen mit ´┐Żgypten, Myanmar und Usbekistan.

Aus strategischen Gesichtspunkten h´┐Żlt das Ministry of Industry and Trade die vietnamesischen Unternehmen dazu an, die Kooperation mit Laos auch in Zukunft weiter voranzubringen. Schwerpunkte sollen, wie auch in der Vergangenheit, die Bereiche Stromgewinnung aus Wasserkraft, Bergbau sowie Kautschukanbau und -verarbeitung sein. F´┐Żr seine aufstrebende Wirtschaft braucht das chronisch von Stromengp´┐Żssen geplagte Vietnam aus Laos sowohl Strom als auch die dort abgebauten Rohstoffe. Interesse am laotischen Markt hat auch Viettel. Der in Milit´┐Żrbesitz befindliche Mobilfunkbetreiber eruiert gegenw´┐Żrtig M´┐Żglichkeiten eines gesch´┐Żftlichen Engagements.

Akkumuliert beliefen sich die registrierten vietnamesischen Investitionen in dem Nachbarland bis zum Jahresende 2008 auf 1,5 Milliarden US$ in 146 Projekten. Allein bis Juni 2009 kamen 41 Vorhaben mit einem Umfang von 1,3 Milliarden US$ hinzu. Die Realisierungsquote f´┐Żr die 2008 begonnenen Projekte soll bei etwa 50 Prozent liegen, insgesamt wird sie jedoch erheblich niedriger gesch´┐Żtzt. Besonders beklagen die lokalen Unternehmen die schlechte Infrastruktur und den Mangel an ausgebildetem Personal in Laos.

Dar´┐Żber hinaus soll auch die Kooperation mit Kambodscha verst´┐Żrkt werden. Der politische Wille in allen drei L´┐Żndern ist vorhanden, wie auf der im Juli 2009 zu Ende gegangenen Konferenz in der zentralvietnamesischen Provinz Kon Tum deutlich wurde. Die n´┐Żchste Kooperationskonferenz soll in Kambodscha im Jahr 2010 stattfinden. In Richtung des Nachbarlandes zielt auch der j´┐Żngst vom vietnamesischen Premierminister genehmigte Masterplan zum Aufbau einer Wirtschaftszone im Grenzgebiet zu Kambodscha. ´┐Żber zehn vietnamesische Provinzen soll sich die Zone hinziehen und eine Br´┐Żckenfunktion zum Mekong-Delta im s´┐Żdlichen Vietnam sowie zum S´┐Żdchinesischen Meer hin ´┐Żbernehmen. Die Planungen befinden sich indessen erst im Anfangsstadium.

Neuland betritt ebenfalls Saigontourist, das sich in Hotels im Ausland einzukaufen versucht. Im Juni verk´┐Żndete die in Ho Chi Minh City ans´┐Żssige staatliche Firma, an der privilegiert gelegenen Fisherman´┐Żs Wharf in San Francisco f´┐Żr 44 Millionen US$ ein Hotel ´┐Żbernehmen zu wollen. F´┐Żr die Wahl war nicht zuletzt die St´┐Żdtepartnerschaft zwischen dem ehemaligen Saigon und der US-amerikanischen K´┐Żstenmetropole entscheidend.

Im gegenw´┐Żrtigen Umfeld will Saigontourist die aufgrund der Konjunkturkrise gesunkenen Preisen nutzen, um sich zu internationalisieren. Auf der Einkaufsliste st´┐Żnden H´┐Żuser mit mehr als 200 Zimmern in Tokio, Berlin, Hongkong und Moskau, so der Gesch´┐Żftsf´┐Żhrer Nguyen Huu gegen´┐Żber der vietnamesischen Presse. Das Unternehmen Saigontourist, das unter anderem das bekannte Rex Hotel betreibt, erwirtschaftete 2008 einen Umsatz von 421 Millionen US$ (+14% gegen´┐Żber dem Vorjahr).

Adressen

Ministry of Planning and Investment
Foreign Investment Agency
2 Hoang Van Thu
Hanoi
Tel.: 84 4 8048461
Fax: 84 4 3734 3769
Email: [email protected]
Web: www.fia.mpi.gov.org