Asien Kurier  1/2010 vom 1. Januar 2010
Vietnam

Immer mehr Vietnamesen kaufen "online"

E-Commerce f´┐Żr ausl´┐Żndische Dienstleister interessant. Rechtliche und infrastrukturelle Defizite

Von Dr. Stefanie Schmitt, Germany Trade & Invest in Vietnam

E-Commerce ist in Vietnam erst seit Kurzem ´┐Żberhaupt ein Begriff. Doch hat in den letzten beiden Jahren der Handel "Business-to-Business" (B2B) und "Business-to-Consumer" (B2C) rasch einen erheblichen Aufschwung erfahren. Viele Unternehmen erwarten Umsatzzuw´┐Żchse ´┐Żber die elektronischen Vertriebskan´┐Żle und Privatkunden nutzen sie f´┐Żr den Einkauf von Waren, die nicht "´┐Żber die Stra´┐Że" erh´┐Żltlich sind. Ausl´┐Żndische E-Commerce-Dienstleister stehen in den Startl´┐Żchern.

Noch vor wenigen Jahren verf´┐Żgte nur ein kleiner Teil der vietnamesischen Unternehmen ´┐Żber eine eigene Webseite, und wenn, dann war sie in den seltensten F´┐Żllen mit einer Auftragsfunktion ausgestattet. Nur wenige Privatpersonen besa´┐Żen ´┐Żberdies Zugang zum Internet. Zahlungen per Bank´┐Żberweisung oder Kreditkarte scheiterten oft daran, dass die meisten Vietnamesen kein eigenes Bankkonto, geschweige denn eine Kreditkarte hatten. Die Voraussetzungen f´┐Żr die Etablierung eines elektronischen Handels waren also alles andere als g´┐Żnstig.

Doch die Zeiten haben sich mittlerweile ge´┐Żndert. Im Jahre 2005 verabschiedete die Regierung in Hanoi einen bis 2010 g´┐Żltigen Masterplan f´┐Żr die Entwicklung des E-Commerce-Sektors. Zwei Jahre sp´┐Żter wurde Vietnam Mitglied der Welthandelsorganisation (WTO). Beide Ereignisse haben dem Ausbau des elektronischen Handels erhebliche Impulse verliehen.

Insbesondere im B2B-Bereich hat sich E-Commerce inzwischen als feste, wenn auch kleine Gr´┐Ż´┐Że etabliert. Auch bestimmte B2C-Segmente haben ihre Nische gefunden. Die Zahl der E-Commerce-Portale erh´┐Żhte sich von einer Handvoll im Jahr 2007 auf ´┐Żber 50 im Jahr 2008. Die Angebote reichen von Bankdiensten ´┐Żber Flugtickets und Tourismusangebote bis hin zu verschiedenen Einzelhandelsprodukten (speziell B´┐Żcher). Nach Informationen der Hanoi Supermarket Association ist "Online-Shopping" besonders f´┐Żr junge Leute und Angestellte mit h´┐Żherem Einkommen attraktiv, die keine Zeit zum "richtigen" Einkauf haben. Auf die Preise wird hierbei weniger geachtet. Sch´┐Żtzungsweise entfallen etwa zwei Drittel des durch E-Commerce generierten Umsatzes auf den B2B-Sektor, etwa ein Drittel auf B2C.

Nach dem "Vietnam E-Commerce Report 2008" der Vietnam E-Commerce and Information Technology Agency (VECITA; www.moit.gov.vn) besa´┐Żen von ´┐Żber 1.600 im Jahr 2008 befragten Unternehmen 99 Prozent einen Internet-Anschluss, 45 Prozent hatten eine eigene Webseite, davon 38 Prozent mit der M´┐Żglichkeit, direkt zu bestellen. Die E-Commerce-Einnahmen entsprachen bei 39 Prozent der Unternehmen zwischen 5 und 15 Prozent des Gesamtumsatzes und bei 36 Prozent sogar ´┐Żber 15 Prozent. Mehr als die H´┐Żlfte der Unternehmen erwartete f´┐Żr die Zukunft wachsende Gesch´┐Żfte. In der Folge geben sie mehr Geld f´┐Żr ihre Software-Ausstattung aus und schulen ihre Mitarbeiter.

Grunds´┐Żtzlich sind die infrastrukturellen Voraussetzungen heute deutlich besser als noch in der j´┐Żngsten Vergangenheit. Beispielsweise gaben vietnamesische Banken bis Ende 2008 insgesamt 13,4 Millionen Bankkarten aus, ein Anstieg gegen´┐Żber 2007 von 46 Prozent. Laut Zentralbank ist die Zahl der Bankkarten Ende 2009 sogar auf 19 Millionen gewachsen. Die eigentliche Zahl der Kartennutzer d´┐Żrfte dennoch erheblich unter diesem Wert liegen, da viele zwei oder gar drei Karten ihr eigen nennen.

Dar´┐Żber hinaus wurden die Zahlungssysteme der beiden gr´┐Ż´┐Żten Kartenzusammenschl´┐Żsse, Banknetvn und Smartlink, miteinander verkn´┐Żpft. Auch startete die Zentralbank am 8. November 2008 die Einf´┐Żhrung der zweiten Phase des nationalen elektronischen Interbankenzahlungssystems. Doch solange der elektronische Zahlungsverkehr nicht allt´┐Żglicher geworden ist, behelfen sich die Unternehmen durch Barzahlung bei Lieferung.

Des Weiteren nimmt die Zahl der Internet-Nutzer t´┐Żglich zu, Ende 2008 waren es etwa 21 Millionen Menschen beziehungsweise knapp ein Viertel der Bev´┐Żlkerung. In der Folge entwickelt sich das sogenannte E-Marketing sehr erfolgsversprechend. Es bietet gerade kleineren und mittleren Unternehmen die M´┐Żglichkeit, sich kosteng´┐Żnstig ´┐Żber das Netz einem gr´┐Ż´┐Żeren Kreis potenzieller, insbesondere junger und zunehmend einkommensst´┐Żrkerer Kunden bekannt zu machen. Gerade angesichts der in vielen Branchen eher flauen Auftragslage erwartet das E-Commerce-Department des Ministry of Information and Communication im Unternehmensbereich einen weiteren Ausbau. Als neueste Variante macht ferner, angesichts der gro´┐Żen Mobilfunk-Dichte, der sogenannte M-Commerce von sich reden - das Versenden von Werbebotschaften und Produktangeboten via SMS.

Trotz aller Fortschritte im B2B- und B2C-Bereich ist immer noch eine Reihe von Defiziten abzuarbeiten. Neben dem nach wie vor unterentwickelten innervietnamesischen Zahlungsverkehr gilt dies insbesondere f´┐Żr den Rechtsbereich. Heikle Themen sind Sicherheit und Datenschutz. Als gesetzliche Grundlage dienen das Law on Electronic Transactions vom 29. November 2005 und das Law on Information Technology vom 29. Juni 2006. Beide wurden in der Zwischenzeit erg´┐Żnzt um zahlreiche Durchf´┐Żhrungsbestimmungen und Rundschreiben. Trotzdem bleiben Punkte offen, etwa die Kl´┐Żrung des Umstands, was konkret geschieht, wenn die gelieferte Ware nicht den Ank´┐Żndigungen im Netz entspricht oder aus anderen Gr´┐Żnden nicht gef´┐Żllt oder falls Geld zwar abgebucht, aber keine Ware geliefert wird.

Daten ´┐Żber die Ums´┐Żtze auf elektronischen Marktpl´┐Żtzen (B2C und C2C) liegen nur sporadisch vor. Wie "Vietnam News" berichtete, erwartet beispielsweise die Peacesoft Solution Company auf ihrem Einkaufsportal www.chodientu.vn f´┐Żr 2009 einen Umsatz von 400 Milliarden Dong (17,8 Mio. Euro, 1 Euro = 27.030 vietnamesische Dong, 3-Monatsmittel) nach 150 Milliarden Dong im Vorjahr. Grunds´┐Żtzlich ist im Bereich "Online-M´┐Żrkte" 2008 eine gewisse Konsolidierung eingetreten, nachdem ihre Zahl 2007 stark zugenommen hatte. Die meisten Unternehmen und privaten Kunden nutzten die Plattformen in erster Linie, um sich zu informieren und weniger, um konkrete Gesch´┐Żfte abzuwickeln. Aufgrund des geringen Transaktionsvolumens mussten viele Plattformen aufgeben. Die verbliebenen verbuchen steigende Ums´┐Żtze. Von den durch VECITA befragten Unternehmen waren nur 12 Prozent auf einem elektronischen Marktplatz pr´┐Żsent. Doch von diesen wurden 70 Prozent mit unterzeichneten Vertr´┐Żgen belohnt. Gerade kleine Unternehmen mit bis zu 50 Besch´┐Żftigten nutzen die Chance, insbesondere dann, wenn keine Geb´┐Żhren anfallen.

Ausl´┐Żndische E-Commerce-Dienstleister sehen noch immer gro´┐Żen Nachholbedarf in dem s´┐Żdostasiatischen Land. Yahoo und Google sind bereits mit eigenen Webseiten in Vietnam aktiv. Alibaba arbeitet mit Vinalink zusammen. eBay hat zu Jahresbeginn 2009 mit seinem lokalen Partner Chodientu.vn (ebay.chodientu.vn) einen Pilotversuch gestartet.

Nach VECITA-Einsch´┐Żtzung (Stand November 2009) sind die wichtigsten B2B-Portale derzeit www.ecvn.com ein von der Regierung bereits 2005 f´┐Żr in- und ausl´┐Żndische Firmen eingerichtetes E-Commerce-Portal, das unter dem MOIT entstandene www.vnex.com.vn das von der Vietnam Chamber of Commerce and Industry eingerichtete www.vnemart.com.vn sowie www.alibaba.com und www.ec21.com

Adressen

Ministry of Industry and Trade (MOIT)
Vietnam e-Commerce and Information Technology Agency (VECITA)
Ansprechpartner:
Mr. Tran Huu LINH, Deputy Director General (spricht Englisch)
25 Ngo Quyen Street
Hanoi
Tel.: 84 4 2220 5394
Fax: 84 4 2220 5397
Email: [email protected]
Web: www.moit.gov.vn