' )China - Sonderwirtschaftszone lockt Investoren
Asien Kurier 6/2008 vom 1. Juni 2008
China

Sonderwirtschaftszone lockt Investoren

Von Dr. Roland Rohde (gtai)

Chongqing wird gerne als die Motorradmetropole Chinas bezeichnet. Doch das soll sich in Zukunft ´┐Żndern. Die Beh´┐Żrden setzen auf eine Diversifizierung der Wirtschaft und die Neuansiedelung von Unternehmen infolge der Gr´┐Żndung der Sonderwirtschaftszone "Chengdu - Chongqing" 2007. Betriebe, die dem boomenden Yangzi- und Perlflussdelta aus Kostengr´┐Żnden den R´┐Żcken gekehrt haben, sollen hier eine neue Heimat finden.

Doch Landeskenner stehen dem Gebilde eher kritisch gegen´┐Żber. Chongqing ist nicht, wie oft in Zeitungen zu lesen ist, die gr´┐Ż´┐Żte Stadt der Welt. Dieser Irrtum beruht vor allem auf ihrem Status. Ehemals zur Provinz Sichuan geh´┐Żrig, erhielt sie 1997 der Status als regierungsunmittelbare Stadt, zu der auch die umliegenden d´┐Żrflichen Gemeinden geh´┐Żren. Insgesamt bel´┐Żuft sich die Einwohnerzahl des Verwaltungsgebietes auf rund 28 Millionen. In der Metropole selbst, die man mit dem Auto in einer guten Viertelstunde hinter sich lassen kann, wohnen indes nach Einsch´┐Żtzung von Landeskennern nur rund 4 bis 6 Millionen Menschen, was im chinesischen Ma´┐Żstab nichts Ungew´┐Żhnliches darstellt.

Chongqing wird gerne als Motorradstadt Chinas bezeichnet. Insgesamt wurden hier 2007 nach Angaben des Statistikamtes 6,4 Millionen motorisierte Zweir´┐Żder gefertigt. Das sind rund ein Viertel des landesweiten Aussto´┐Żes und ein Plus von 20 Prozent gegen´┐Żber dem Vorjahr. Lediglich in Guangdong - die Provinz ist gemessen an der Einwohnerzahl und der Wirtschaftskraft deutlich gr´┐Ż´┐Żer - laufen noch mehr Motorr´┐Żder vom Band. Daneben existiert noch eine Vielzahl von Branchen, jedoch kann keine eine ann´┐Żhernd ´┐Żhnliche Bedeutung erreichen wie der Fahrzeugsektor. Er war 2006 f´┐Żr ´┐Żber eine Drittel des industriellen Outputs verantwortlich. Zudem arbeiten zahlreiche Betriebe als Zulieferer, werden allerdings der Metallverarbeitung zugerechnet.

Die Motorradhersteller produzieren einerseits f´┐Żr den Inlandsbedarf. Doch der entwickelt sich nur m´┐Ż´┐Żig, denn in zahlreiche Gro´┐Żst´┐Żdten d´┐Żrfen nur noch Elektror´┐Żder auf den Stra´┐Żen fahren. Einen Gro´┐Żteil des Outputs setzen die Hersteller daher in Vietnam ab. Dort sollen nach Angaben eines Branchenkenners bereits drei Viertel aller Motorr´┐Żder "made in China" sein.

F´┐Żr westliche oder japanische Firmen ist Chongqing jedoch - noch - uninteressant. Bei den meisten der hergestellten Motorr´┐Żder handelt es sich um einfache Roller. Die meisten Hersteller und Zulieferer bieten ausschlie´┐Żlich Lowtech an. Nichtsdestotrotz w´┐Żchst das Interesse. So befindet sich ein bedeutender deutscher Branchenhersteller st´┐Żndig auf Einkaufstour. Allerdings gibt es nach seinen Aussagen nur eine Handvoll von Teileherstellern, die den hohen Anspr´┐Żchen der Premiumanbieter gen´┐Żgen k´┐Żnnen.

Die Stadt will jedoch ihre Image als reine Fahrzeugmetropole ablegen. Die Gr´┐Żndung der "Chongqing - Chengdu"-Sonderwirtschaftszone k´┐Żnnte dabei helfen. Sie umfasst neben den beiden rund 300 Kilometer voneinander entfernten Metropolen, die durch eine hochmoderne Autobahn miteinander verbunden sind, die dazwischenliegenden Gemeinden und Kreise.

Doch das k´┐Żnstliche Gebilde wird derzeit noch sehr kritisch gesehen. So soll zwischen den beiden St´┐Żdten eine ´┐Żhnliche Rivalit´┐Żt herrschen, wie zwischen D´┐Żsseldorf und K´┐Żln. Zudem beschr´┐Żnken sich die wirtschaftlichen Aktivit´┐Żten vor allem auf die unmittelbarer Umgebung der beiden Metropolen. Dazwischen liegen vor allem D´┐Żrfer, die zudem keinerlei Anschluss an die Autobahn haben.

Mit noch gr´┐Ż´┐Żeren Bedenken sehen Landeskenner die Entwicklung des Immobiliensektors. In keiner anderen chinesischen Stadt d´┐Żrften derzeit so viele Apartments gebaut werden wie in Chongqing. Doch wer in die neuen Wohnungen einmal einziehen soll, bleibt ungekl´┐Żrt. Die Leerstandsquoten bei Neubauten sollen laut Sch´┐Żtzungen bei bis zu 80 Prozent liegen.

Doch Chongqing l´┐Żsst sich durch nichts ersch´┐Żttern. Die Region rechnet mit Zuwanderungen aus den boomenden Regionen des Yangzi- und Perlflussdeltas. Dort steigen die L´┐Żhne rascher als die Arbeitsproduktivit´┐Żt. Zudem k´┐Żnnen sich die dortigen Beh´┐Żrden ihre Investoren genau aussuchen. Schmutzige, energiehungrige Branchen oder einfache Lohnveredler sind nicht mehr gefragt. Antr´┐Żge auf Neu- oder Erweiterungsinvestitionen beispielsweise f´┐Żr Keramik- oder Schuhhersteller werden nicht mehr genehmigt.

Die ersten lohnintensiven Branchen der klassischen Leichtindustrie haben bereits das Perlflussdelta verlassen und sind in die angrenzenden Provinzen abgewandert. Von dort aus k´┐Żnnen sie noch relativ kosteng´┐Żnstig per Lkw ihre Ware zu den Containerh´┐Żfen in Shenzhen oder Hongkong transportierten. Eine Verlagerung ins Landesinnere hat bisher aber kaum stattgefunden. Zu stark sind die Bedenken. Die Verwaltung ist weniger effizient, die B´┐Żrokratie stellt ein ernsthaftes Problem dar. Allerdings sind Investoren daf´┐Żr auch gefragter und Umweltauflagen weniger streng, was vor allem f´┐Żr Branchen der Schwerindustrie von Vorteil ist.

Ein Problem ist und bleibt derweil die Logistik. Aufgrund der Inlandslage muss die Ware entweder per Lkw oder Binnenschiff zun´┐Żchst nach Shanghai gebracht werden, was die Transportkosten in die H´┐Żhe treibt. Einsparungen bei den L´┐Żhnen werden dadurch zunichte gemacht. Bei besonders schweren und sperrigen Waren kann es sogar zu einer Verteuerung der gesamten Kosten kommen, wenn man seine Fabrik von Shenzhen nach Chongqing verlagert. Trotzdem sind die Exporte der regierungsunmittelbaren Stadt alleine zwischen 2005 und 2007 um 80 Prozent gestiegen. Mit rund 4,5 Milliarden US-Dollar befinden sie aber immer noch auf einem relativ geringen Niveau.


);