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Datum: 2022-12-31

Asien Kurier  7/2008 vom 1. Juli 2008

Malaysia - Erfolg mit Chemikalien

Von Thomas Hundt, bfai-Korrespondent in Kuala Lumpur.

Gr�ne Plantagen s�umen die vierspurigen Autobahnen in Malaysia. In der Forstwirtschaft des zwischen Thailand und Singapur gelegenenen Staates domiert die Palm�l-Industrie. Zu den wichtigen lokalen Rohstoffen geh�ren weithin �l, Gas und Gummi. Die Einfuhren von chemischen Erzeugnissen nehmen zu. Dies betrifft auch Arzneimittel, bei denen Deutschland hohe Lieferanteile besitzt.

Marktentwicklung und -bedarf

Eine tragende S�ule der wirtschaftlichen Entwicklung Malaysias ist die Chemieindustrie. Die Investitionsagentur MIDA (�Malaysian Industrial Development Authority�) bezifferte den Absatz der inl�ndischen Branchenunternehmen im Zeitraum Januar bis November 2007 auf 153 Milliarden Ringgit (30,7 Milliarden Euro; 1 Euro = 4,98 Ringgit, 3-Monatsmittel-Interbankenkurs). Gegen�ber dem Vorjahreszeitraum bedeutete dies eine Steigerung von knapp 8 Prozent.
Die Regierung und das Staatsunternehmen Petronas, das eng mit weltweit f�hrenden Chemieunternehmen zusammenarbeitet, bauen die Petrochemie systematisch aus. Die Verk�ufe von raffinierten Erd�lprodukten (Naphta, Fl�ssiggas, Benzin, Kerosin, Heiz�l, Schmier�len, Diesel und Bitumen) machten 2007 etwa 71 Milliarden Ringgit aus (+2 Prozent gegen�ber 2006).
In den kommenden Jahren d�rfte der Bedarf an Industriechemikalien mit dem allgemeinen Wachstum im verarbeitenden Gewerbe weiter zunehmen. Die Anbieter von D�ngemitteln profitieren von der steigenden Nachfrage in der malaysischen Plantagenwirtschaft und dem Ausbau der landwirtschaftlichen Aktivit�ten in anderen s�dostasiatischen Staaten.
Malaysia verf�gt �ber eine breit aufgestellte und wettbewerbsf�hige Kunststoffindustrie. Nationale und internationale Konzerne stellen Kunststoffe in Prim�rformen wie Poly�thylen (PE), Polypropylen (PP), Polyvinylchlorid (PVC) und Polystyren (PS) bereit. Zunehmend nachgefragt sind technische und abbaubare Kunststoffe, wobei ein Teil der ben�tigten Waren im Land selbst erzeugt wird, ein anderer Teil weiterhin importiert werden muss (z. B. Polyamid und Polykarbonat). Der lokale Absatz von Kunstharzen lag 2007 bei 1,9 Millionen Tonnen.
Gr��ter Absatzbereich f�r den Kunststoffsektor ist das Verpackungswesen, das auf steigende Umweltanspr�che reagieren muss. So setzen die Unternehmen zunehmend abbaubare und recycelbare Kunststoffe ein. Die Kunden fragen zunehmend hochwertige Kunststoffe (sogenannte �engineering plastics�) nach. Nach Ansicht der Firma Frost & Sullivan werden innovative Produktl�sungen k�nftig noch st�rker gefragt sein, w�hrend Standardwaren eher in China und Thailand gefertigt werden. Technische Kunststoffe nehmen unter anderem Hersteller von Kfz-Teilen, die Medizintechnik und Elektroindustrie ab. Fachleute erwarten, dass auch die staatlich gef�rderte Biotechnologiebranche einen steigenden Bedarf entwickeln wird.
Ausl�ndischen Anbietern von K�rperpflegemitteln, Kosmetika oder Kunststoffartikeln f�r den privaten Gebrauch bietet der expandierende organisierte Einzelhandel (z. B. Hyper- und Superm�rkte) neue Absatzwege. Die Zunahme des privaten Konsums �bertrifft die Wachstumsrate der Gesamtwirtschaft deutlich (2007: Konsum real knapp 12 Prozent; Bruttoinlandsprodukt +6,3 Prozent. Fachleute prognostizieren aufgrund steigender Einkommen und des h�heren Wohlstands der Bev�lkerung eine in diesem Bereich stark wachsende Nachfrage.
Malaysia bietet auch eine gute Basis, um die M�rkte anderer s�dostasiatischer L�nder zu erschlie�en. So erkennen die zehn ASEAN-Mitgliedsstaaten inzwischen gegenseitig die Zulassungen von Kosmetika an. (Am 1.1.2023 trat das �Asean Harmonized Cosmetic Regulatory Scheme (AHCRS)� in Kraft. www.aseancosmetics.org/docdocs/agreement.pdf).
Gute Wachstumsperspektiven bietet der malaysische Arzneimittelmarkt, auf dem ausl�ndische Pharmakonzerne dominieren. Der Inlandsmarkt hatte 2007 ein Volumen von 3,4 Milliarden Ringgit. Die Zuwachsrate gegen�ber dem Vorjahr betrug 13 Prozent. Arzneimitteleinfuhren bedienen etwa 65 Prozent der inl�ndischen Nachfrage. Die wichtigsten Pharmaimportgruppen sind Herz- und Kreislaufmedikamente, neuromuskul�re Pr�parate, Mittel gegen Stoffwechselerkrankungen, Antibiotika sowie Impfstoffe f�r Menschen und Tiere. Die importierten Medikamente unterliegen �berwiegend einem Markenschutz und sind patentiert. F�r ausl�ndische Unternehmen d�rfte auch der Sektor der Phytopharmaka (Arzneimittel, die aus Pflanzen gewonnen werden) interessant sein, die bei Malaysiern beliebt sind.


Produktion und Branchenstruktur

In der Petrochemie des Landes sind 41 Unternehmen aktiv. Zu den gr��ten Investoren z�hlen Petronas, DowChemicals, BP, Amoco, Shell, BASF, Eastman Chemicals, Toray, Mitsubishi, Idemitsu, Polyplastic, Kaneka, Dairen und die Titan Petchem Group.
Die Weiterverarbeitung in der �Downstream-Industrie� soll nach Pl�nen der Regierung in den kommenden Jahren gezielt ausgebaut werden. Die f�nf Raffinerien, drei von Petronas sowie von Shell und Esso, und eine GtL-Produktion (Gas-to-Liquids) von Shell verf�gen insgesamt �ber eine Kapazit�t von 635.000 Barrel pro Tag. Zudem k�ndigte die Firma Gulf Petroleum aus Qatar im Februar 2008 an, eine weitere Raffinerie und nachgelagerte Petrochemiewerke f�r 4,6 Milliarden US-Dollar bauen zu wollen. Petronas nimmt Mitte 2008 ein Werk f�r Basis�le in Betrieb, die als Grundstoff f�r die Erzeugung von Kfz- und Industrieschmier�len dienen. Die Anlage wird eine Kapazit�t von
300.000 Jahrestonnen haben.
Malaysia geh�rt auch zu den gr��ten Herstellern von Palm�l, das in der Nahrungsmittel-, Kosmetikindustrie und als Biokraftstoff eingesetzt wird. Der Preis f�r rohes Palm�l kletterte von etwa 1.900 Ringgit Anfang 2007 auf �ber 4.000 Ringgit im M�rz 2008. F�r die Abnehmer ist das hohe Preisniveau allerdings problematisch. Projekte zum Bau vonBiokraftstoffanlagen m�ssen verschoben werden.
Zwar verf�gt das Land �ber Gummiplantagen, f�hrt Gummi aber auch aus anderen asiatischen L�ndern ein. Waren aus diesem Rohstoff vertreibt die verarbeitende Industrie weltweit. Die Gesch�ftsaussichten sind g�nstig. Durch Fusionen und Investitionen haben die Firmen im Laufe des Jahres 2007 ihre Wettbewerbsposition gest�rkt. Die notwendigen Maschinen und Ausr�stungen beziehen die Unternehmen international.
Malaysias Arzneimittelhersteller produzieren Generika, traditionelle Heilmittel und fertigen Produkte im Auftrag ausl�ndischer Pharmaunternehmen. Ende 2007 waren 235 Pharmabetriebe beim Gesundheitsministerium registriert.Sie sind �berwiegend klein bis mittelst�ndisch. Davon produzieren 175 traditionelle Medikamente und 60 �moderne� Pr�parate.
Einige internationale Pharmakonzerne produzieren vor Ort, unter anderem Y.S.P. Industries aus Taiwan, Glaxo SmithKline (Gro�britannien) und Ranbaxy aus Indien. Die Verk�ufe der lokalen Hersteller einschlie�lich ihrer Exporte beliefen sich 2007 auf etwa 1,3 Milliarden Ringgit (+15 % gegen�ber dem Vorjahr). Die inl�ndischen Firmen investieren in ihre Fabriken, um den Richtlinien �Good Manufacturing Practice (GMP)� der EU und der Asean zugen�gen.
Die Produktion von Basischemikalien verzeichnete im 1. Halbjahr 2007 eine Zunahme von 12 Prozent gegen�ber derVorjahresperiode. Am st�rksten trug die Erzeugung von Industriegasen dazu bei. Deren Abnehmer im verarbeitenden Gewerbe wie die Stahlverarbeitung, Lebensmittelindustrie, Feinchemie oder Kunden, die Abwasser behandeln, expandieren.
Dar�ber hinaus gibt es 164 Unternehmen, die eine breite Skala unterschiedlichster chemischer Erzeugnisse produzieren (D�nge- und Pflanzenschutzmittel, anorganische Chemikalien etc.). Im Bereich Kunststofferzeugnisse konnte die heimische Industrie 2007 einen Umsatz von 16 Milliarden Ringgit (+3 % gegen�ber 2006) erzielen.Wachstumstr�ger waren steigende Exporte von Plastiktaschen in die EU und die expandierende lokale Nachfrage nach Kunststoffverpackungen. In der Branche waren Anfang 2008 etwa 1.550, meist kleinere und mittelst�ndische Unternehmen mit insgesamt 99.100 Mitarbeitern aktiv.


Au�enhandel

Die Importe von chemischen Erzeugnissen beliefen sich 2007 auf 38,9 Milliarden Ringgit (+11 % gegen�ber 2006) Die Chemieindustrie importierte im gleichen Jahr Waren im Wert von 33,2 Milliarden Ringgit aus (2006: 29,1 Milliarden MYR).
Die Einfuhren von Kunststofferzeugnissen betrugen im Zeitraum Januar bis November 2007 etwa 5,5 Milliarden Ringgit. ImVorjahreszeitraum hatte Malaysia noch Kunststoffprodukte f�r 6,5 Milliarden Ringgit aus dem Ausland bezogen. Die Importe in dieser Kategorie stammen vorwiegend aus Japan, der Volksrepublik China, Singapur und den USA.
Die Importe von Chemikalien aus Deutschland hatten im Zeitraum Januar bis Oktober 2007 einen Wert von 1,3 Milliarden Ringgit, wobei �ber das Gesamtjahr betrachtet die 1,5 Milliarden Ringgit teuren Einfuhren aus 2006 noch �bertroffen werden d�rften.


Gesch�ftspraxis

Die Zulassung von pharmazeutischen Produkten ist umfassend geregelt. Wichtigste Regulierungsbeh�rde ist die "Drug Control Authority" (DCA), die dem Gesundheitsministerium untersteht. Die praktische �berwachung der gesetzlichen Vorschriften nach dem "Sales of Drugs Act" von 1953 (novelliert 1989) und die Kontrolle der Einhaltung des "Standards Good Manufacturing Practice" (GMP) obliegen der Regulierungsbeh�rde "National Pharmaceutical Control Bureau" (NPCB; www.bpfk.gov.my).



Deutsche Institutionen
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Malaysian German Chamber of Commerce (MGCC)
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