' )VAE - Hohe Nachfrage nach Transport- und Hafeninfrastrukturen
Asien Kurier 10/2008 vom 1. Oktober 2008
VAE

Hohe Nachfrage nach Transport- und Hafeninfrastrukturen

Von Martin B´┐Żll (gtai)

Die ´┐Żlreichen L´┐Żnder des Mittleren Osten investieren kr´┐Żftig in den Ausbau ihrer H´┐Żfen - nicht zuletzt, um die dank der Petro-Dollars hereinstr´┐Żmenden Importwaren abfertigen zu k´┐Żnnen. Mitte 2008 waren es rund 50 gr´┐Ż´┐Żere Vorhaben im Gesamtwert von 33 Milliarden US-Dollar, sagt ProLeads, ein Unternehmen, das sich auf das Z´┐Żhlen regionaler Gro´┐Żprojekte spezialisiert hat. Spannend bleibt die Frage, ob all die Kapazit´┐Żten wirklich gebraucht werden und ob sich neue Logistikdrehscheiben herausbilden.

Nach den Vorstellungen der Herrscher der Arabischen Halbinsel stehen ihre L´┐Żnder dank der kr´┐Żftig sprudelnden ´┐Żleinnahmen vor einer wirtschaftlichen Bl´┐Żte ungeahnten Ausma´┐Żes. Vor allem den m´┐Żrchenhaften Aufschwung Dubais mit seinen Vorzeiget´┐Żrmen und Stadtentwicklungen wollen alle nachahmen, wenn nicht gar ´┐Żbertreffen. Dabei war Dubais Hafen Jebel Ali mit der angrenzender Wirtschaftszone sicherlich der entscheidende Schl´┐Żssel zum Erfolg des an ´┐Żl eher armen Emirats. Am Golf streben nun zahlreiche Regenten ebenfalls eigene Welth´┐Żfen an.

Sollten internationale Redereien nicht immer mitmachen wollen, dann kann dem durch eigene Flotten nachgeholfen werden. "Wir haben derzeit Auftr´┐Żge f´┐Żr 500 Schiffe," sagt Jing Wan Kim, Chef des koreanischen Schiffbauers Samsung, "44 Bestellungen davon kommen aus dem Mittleren Osten." Die United Arab Shipping Company (UASC), die gr´┐Ż´┐Żte Rederei f´┐Żr Seeschiffe im Golf, erteilte Samsung Heavy Industries zum Beispiel Ende Juni 2008 einen 1,5 Milliarden-US-Dollar-Auftrag f´┐Żr den Bau von neun Containerschiffen des Typs A13 mit einer Kapazit´┐Żt von jeweils 13.100 TEUs (twenty-feet-equivelant units) - der bislang gr´┐Ż´┐Żte Auftrag eines Schifffahrtsunternehmen am Golf.

"Angesichts des hohen Wirtschaftswachstums im Mittleren Osten gibt es eine hohe Nachfrage nach Transport- und Hafeninfrastrukturen," so UDSC-Chef Ken Bloch Sorensen, die Expansion sei durchaus proportional. Fatima Al Jaber, Gesch´┐Żftsf´┐Żhrerin der in Abu Dhabi firmierenden Al-Jaber-Gruppe, sieht dies ´┐Żhnlich: "Die Anforderungen an den Schifffahrtssektor in der Region steigen insbesondere in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) aufgrund ihrer strategischen Position. Wir sind deshalb sehr daran interessiert, unsere Flotte zu expandieren und auf den technisch letzten Stand zu bringen." Anfang Juli 2008 hatte Al Jaber eine chinesische Werft mit dem Bau von acht neuen Schiffen zum Gesamtpreis von 500 Millionen US-Dollar beauftragt.

Die drei ambitioniertesten, aktiven Hafenvorhaben am Golf sind derzeit der Mesaieed-Hafen in Katar, der ein Budget von 5,5 Milliarden hat, der King Abdullah Economic City Seaport (5 Mrd. US$), der einmal die Logistikdrehscheibe der neuen saudi-arabischen Retortenstadt werden soll, und der Ausbau des Jebel-Ali-Hafen in Dubai, f´┐Żr den erst einmal 4,2 Milliarden US-Dollar bereitgestellt wurden.

Der neue Tiefseehafen von Katar, der zwischen Doha und der Industriestadt Mesaieed gebaut wird, soll die Umschlagskapazit´┐Żt des Landes bis 2030 auf ´┐Żber 6 Millionen TEU/Jahr steigern. Die Hafenzone wird sich ´┐Żber ein Gel´┐Żnde von etwa 20 Quadratkilometer erstrecken und damit eine der gr´┐Ż´┐Żten der Welt werden. In einer ersten Projektphase, die bislang nicht n´┐Żher spezifiziert wurde, soll eine Kapazit´┐Żt von 2 Millionen TEU geschaffen werden. Der bislang wichtigste Hafen des Landes, Doha, hat eine Umschlagskapazit´┐Żt von 400.000 TEU, die 2007 zu 85 Prozent ausgelastet war. Sobald der neue Mesaieed-Hafen in Betrieb ist, soll der von Doha geschlossen werden.

Die King Abdullah Economic City ist ein 2005 vorgestelltes Megaprojekt in Saudi-Arabien. Auf einem Gel´┐Żnde von 173 Quadratkilometern sollen einmal moderne Infrastrukturen und Vorzeigebauten Schaaren internationaler Investoren anlocken, der Region einen Boom wie in Dubai bescheren und 1 Millionen Arbeitspl´┐Żtze f´┐Żr die junge Bev´┐Żlkerung des K´┐Żnigreichs schaffen. Der neue Seehafen ist ein zentraler Bestandteil des Entwicklungskonzepts. Auf einem Areal von 14 Quadratkilometen sollen Container in einer Gr´┐Ż´┐Żenordnung von 10 Millionen TEU abgefertigt werden k´┐Żnnen. Schiffe auch der gr´┐Ż´┐Żten Klassen sind willkommen. Der Hafen erh´┐Żlt weiterhin einen gro´┐Żen Passagierterminal, der einmal j´┐Żhrlich 300.000 Mekka-Pilger durchschleusen soll.

Der Hafen von Jebel Ali arbeitet derzeit an seiner Kapazit´┐Żtsgrenze und soll deshalb kontinuierlich ausgebaut werden. Derzeit k´┐Żnnen etwa 11 Millionen TEU-Container im Jahr abgefertigt werden. Im Februar 2009 soll das neue Terminal 2 seine volle Kapazit´┐Żt von 5 Millionen TEU erreichen und die Gesamtkapazit´┐Żt des Hafens auf 14 Millionen TEU erh´┐Żhen. Ende August sorgte der Hafen f´┐Żr negative Schlagzeilen, weil es zu erheblichen Verz´┐Żgerungen kam. Kleinere Schiffe mussten bis zu 90 Stunden warten, gr´┐Ż´┐Żere immerhin noch 24 bis 30 Stunden - im internationalen Schiffsverkehr eine Zumutung.

H´┐Żlt das derzeitige Wachstum an, br´┐Żuchte Jebel Ali bis 2030 Kapazit´┐Żten von 80 Millionen TEU. Erste Pl´┐Żne daf´┐Żr gibt es schon: Dem derzeitigen Hafen sollen dann Inselbl´┐Żcke vorgelagert und weit ins Meer hinaus getrieben werden. Mindestens ebenso weit wie die direkt danebenliegende Luxus-Wohninsel "The Palm Jebel Ali", was man den Immobilieninteressenten allerdings, so ist zu h´┐Żren, eher verschweigt.

Und dann gibt es noch ein Projekt, das in der an Superlativen reichen Arabischen Halbinsel an die Grenzen der Vorstellungskraft geht: das Noor City Development Project von Tarek Bin Laden. Der saudi-arabische Bauunternehmer mit Sitz in Dubai will zwischen Jemen und Dschibuti eine Br´┐Żcke bauen und auf beiden Seiten Wirtschaftsst´┐Żdte mit Freihandelszonen und Hafenanlagen ansiedeln. Am Anfang soll erst einmal die auf 25 Milliarden US-Dollar veranschlagte Br´┐Żcke von Bin Ladens Unternehmen, der Middle East Development, und der US-amerikanischen Noor City Development Corp. (NCDC) gebaut werden. Danach kommen die beiden St´┐Żdte f´┐Żr eine Gesamtbev´┐Żlkerung von 6 Millionen Menschen an die Reihe. Mit der tschechischen CZMZ wurde bereits ein Vertrag ´┐Żber 1 Milliarden US-Dollar f´┐Żr die Lieferung eines Eisenh´┐Żttenwerks, einer Zementfabrik und Kraftwerksanlagen unterzeichnet, damit die Einsatzmittel f´┐Żr die Bauvorhaben vor Ort hergestellt werden k´┐Żnnen.

Bin Laden ist sich sicher, dass die Rechnung aufgeht. Die strategische Lage zwischen dem Roten Meer und dem Golf von Aden ist f´┐Żr die gro´┐Żen Schifffahrtslinien sehr viel attraktiver als der Golf, der nicht an der gro´┐Żen Route nach Asien liegt. Die Stra´┐Że von Hormuz ist zudem ein politischer Unsicherheitsfaktor - nicht zuletzt wegen der Spannungen zwischen Israel und den USA auf der einen und Iran auf der anderen Seite. Auch der neue Hafen der King Abdullah Economic City sieht sich ebenso im strategischen Vorteil wie der s´┐Żdomanische Hafen Salalah. Welche H´┐Żfen am Ende die Nase vorne haben werden, d´┐Żrfte jedoch von vielen Unbekannten abh´┐Żngen. Neben blanken ´┐Żkonomischen Faktoren wie den Kosten, der strategischen Lage und der Sicherheit d´┐Żrften letztendlich auch sehr menschliche eine Rolle spielen. Vor allem Spitzenkr´┐Żfte verlangen neben einem guten Gehalt auch ein einigerma´┐Żen angenehmes Leben. Wenn ´┐Żberhaupt, dann kann in der Region bislang nur Dubai dieses bieten.


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