' )Buchbesprechung - Koordinatensystem asiatischer Verhaltensweisen
Asien Kurier 2/2008 vom 1. Februar 2008
Buchbesprechung

Koordinatensystem asiatischer Verhaltensweisen

Von Daniel M´┐Żller

Asien wird aus westlicher Perspektive h´┐Żufig als geografische, ´┐Żkonomische und kulturelle Einheit wahrgenommen. Bestenfalls sind einzelne ? in der Regel etwas kuriose ? Eigenheiten aus Indien oder China bekannt.

Dabei steht der Kontinent, was unterschiedliche Sprachen, Mentalit´┐Żten und auch Wirtschaftspraktiken anbelangt, Europa in keiner Weise nach. Ganz im Gegenteil. Die F´┐Żlle der regionalen und lokalen Spezifika ist schier ´┐Żberw´┐Żltigend und im Einzelnen wohl nur f´┐Żr professionelle Experten durchschaubar.

Diese Heterogenit´┐Żt macht das interkulturelle Management nicht eben zu einer unkomplizierten Aufgabe. Denn was in einem Land als angemessenes Verhalten gilt, kann in einem anderen Land, ja in einem anderen Landesteil schon als gravierender Fehltritt gelten. Ein standardisiertes Vorgehen, das alle asienbezogenen Gesch´┐Żftskontakte eines Unternehmens mit dem Verhaltensleitfaden f´┐Żr ?Fernost? abzuwickeln versucht, k´┐Żnnte sich daher schnell als unterkomplex erweisen.

W´┐Żhrend inzwischen eine Vielzahl an l´┐Żnderspezifischen Benimm-Ratgebern erschienen ist, fehlte bislang ein griffiges Handbuch, das einen raschen, komparativen Blick auf die verschiedenartige asiatische Business-Landschaft erm´┐Żglicht. Dieses Manko zu beheben, ist das annotierte Ziel des vorliegenden Buches ? und dieser Anspruch wird auch durchg´┐Żngig erf´┐Żllt. F´┐Żr zehn asiatische Staaten haben die Autoren, zwei Kommunikationswissenschaftler, eine Art Koordinatensystem der jeweiligen Leitideen, Verhaltensnormen und Tabus erstellt.

Alle Abschnitte folgen einem generellen Schema: Einem geschichtlichen Abriss schlie´┐Żt sich eine Auflistung landesspezifischer Daten einschlie´┐Żlich n´┐Żtzlicher Kontaktadressen an, um dann die gel´┐Żufigen Anrede-, Begr´┐Ż´┐Żungs- und Umgangsformen vorzustellen. Als n´┐Żchstes werden einige Anregungen f´┐Żr unverf´┐Żngliche Gespr´┐Żchsthemen und Ratschl´┐Żge f´┐Żr eine zielf´┐Żhrende Business-Kommunikation offeriert. Da die Komplexe Gastgeschenke und gemeinsames Essen erfahrungsgem´┐Ż´┐Ż besonders heikle Obliegenheiten darstellen, werden auch diese in geb´┐Żhrendem Umfang abgehandelt. Abschlie´┐Żend folgt ein kleiner Exkurs ´┐Żber Charakteristiken der respektiven Landessprache.

Bei der Lekt´┐Żre der einzelnen Passagen zeigt sich, dass ein Erfassen der landestypischen Eigenarten ein St´┐Żck weit dadurch erschwert wird, dass diese sich zumeist hinter einer ´┐Żu´┐Żeren Schicht von Gemeinsamkeiten verbergen. So sind eine unbedingte Ausrichtung an sozialen Hierarchien, die Vermeidung von Konflikten, eine Orientierung an der Gruppe sowie eine kollektive Aversion dem Wort ?Nein? gegen´┐Żber in allen asiatischen Staaten anzutreffen.

Die Differenzen k´┐Żnnen hingegen einmal recht eindeutig sein, wie etwa der Umstand, dass gemeinsame Umtrunke mit dem Gesch´┐Żftspartner in Japan zum guten Ton geh´┐Żren und sogar empfohlen wird, ggf. ein leichtes Betrunkensein vorzut´┐Żuschen, w´┐Żhrend derartige Praktiken in muslimisch gepr´┐Żgten L´┐Żndern g´┐Żnzlich undenkbar sind. Zum anderen k´┐Żnnen die Besonderheiten auch subtilerer Natur sein. Beispielsweise gelten Namen in Indonesien als heilig, sodass es angeraten ist, m´┐Żglichst penibel auf deren exakte Aussprache zu achten. Oder es kann hilfreich sein zu wissen, dass in Thailand mit der Farbe Schwarz ?Tod? assoziiert wird, was es bei der Auswahl der Garderobe entsprechend zu ber´┐Żcksichtigten gilt.

Insgesamt sind die Ausf´┐Żhrungen knapp, aber profund gehalten und stellen somit einen komfortablen Ausgangspunkt zur Erkundung der mentalen Landkarte Asiens dar.


);