' )China - Ausl´┐Żndische Hotelgesellschaften erobern China
Asien Kurier 3/2008 vom 1. M´┐Żrz 2008
China

Ausl´┐Żndische Hotelgesellschaften erobern China

Von Dr. Roland Rohde (gtai)

Ausl´┐Żndische Hotelgesellschaften dominieren in China das F´┐Żnf-Sterne-Segment. Sie ben´┐Żtigen nicht nur moderne Geb´┐Żudetechnik, sondern auch hochwertige Haushaltwaren oder Sanit´┐Żrkeramik, die sie oftmals importieren. Daraus ergeben sich umfangreiche Lieferchancen f´┐Żr die Zukunft, denn zwischen 2008 und 2010 werden mehrere Hundert H´┐Żuser ihre Tore ´┐Żffnen. Die meisten entstehen au´┐Żerhalb der Boomregionen im Landesinneren. Auch die Sonderverwaltungsregion Macau zieht zahlreiche Investoren an.

Wer nach China reist, kann bereits jetzt in einem der zahlreichen Hotels ausl´┐Żndischer Ketten ´┐Żbernachten. Nach Angaben der China National Tourism Administration (CNTA) waren Anfang 2008 ´┐Żber 40 internationale Gesellschaften im Land vertreten. Sie betrieben mehr als 500 H´┐Żuser. Zumeist handelt es sich um F´┐Żnf-Sterne-Hotels, die in den wichtigsten Zentren des Landes gelegen sind. Dort treten sich die Anbieter aber bereits auf die F´┐Ż´┐Że. Insbesondere in Beijing d´┐Żrfte sich die Situation zuspitzen. P´┐Żnktlich zum Beginn der Olympischen Spiele 2008 er´┐Żffnen dort zahlreiche H´┐Żuser. ´┐Żhnlich sieht die Lage k´┐Żnftig in Shanghai aus. Dort lockt die Weltausstellung 2010 zahlreiche Hotelgesellschaften an und treibt das Zimmerangebot weiter in die H´┐Żhe. Die ausl´┐Żndischen Ketten konzentrieren sich daher mittel- und langfristig auf die sogenannten Second-Tier Cities. Dabei handelt es sich um Metropolen mit mehreren Millionen Einwohnern im Landesinneren beziehungsweise au´┐Żerhalb der ´┐Żkonomischen Zentren. In diesen St´┐Żdten besteht ein teilweise enormer Nachholbedarf nach F´┐Żnf-Sterne-H´┐Żusern. Getrieben wird die Nachfrage einerseits von der anziehenden ´┐Żkonomischen Entwicklung des Hinterlandes, denn in den Boomregionen steigen die Produktionskosten rasch an und Unternehmen verlagern ihre Fertigung. Zudem gewinnt der Inlandstourismus stark an Bedeutung. Immer mehr Chinesen k´┐Żnnen sich eine Flugreise leisten und erkunden das eigene Land. Dabei wollen viele nicht mehr nur in einfachen Herbergen absteigen.

Mehrere Hundert Hotels ausl´┐Żndischer Gesellschaften d´┐Żrften zwischen 2008 und 2010 in China ihre Tore ´┐Żffnen. Wie die Pl´┐Żne der gro´┐Żen internationalen Ketten zeigen, werden in ganz China Expansionen in Angriff genommen. Einen Investitionsschwerpunkt bildet die Sonderverwaltungsregion Macau. Seit der Liberalisierung des Spielbankensektors haben US-amerikanische Gesellschaften einen zweistelligen Miliarden-US-Dollar-Betrag in riesige Kasino-Hotel-Komplexe gepumpt. Im Herbst er´┐Żffnete das 3.000 Zimmer gro´┐Że "Venetian" seine Tore. In unmittelbarer Nachbarschaft entstehen zahlreiche weitere Hotels. Bis 2011 sollen rund 20 Vier- und F´┐Żnf-Sterne-H´┐Żuser kommen. (Asien Kurier, 2/2008, Februar 2008, S. 17)

Besonders aktiv in China ist die US-amerikanische Starwood-Gruppe. Sie will alleine bis Ende 2009 knapp 40 Hotels der Marken Westin, Four Points, Sheraton und Meridien er´┐Żffnen. In Guangzhou, der Provinzhauptstadt Guangdongs, plant die Gesellschaft gleich ein halbes Dutzend Luxushotels. Im ehemaligen Kanton gab es - obwohl die Region zur reichsten des Landes geh´┐Żrt - bis 2007 kein einziges F´┐Żnf-Sterne-Haus nach westlichem Standard. Damit soll nun Schluss sein. Bis 2010 werden in der gesamten Provinz nach Angaben der Guangdong Provincial Tourism Administration zwischen 40 und 50 Luxushotels entstehen. Die meisten von ihnen werden in Guangzhou gelegen sein, denn die benachbarten Metropolen wie Dongguan oder Shenzhen sind bereits bestens ausgestattet.

Im nur wenige Kilometer entfernten Hongkong ist die Hotelkonjunktur derweil flau. Die Anzahl der verf´┐Żgbaren Zimmer d´┐Żrfte sich zwischen 2008 und 2010 nur geringf´┐Żgig erh´┐Żhen. Die Branche leidet unter den stark gestiegenen Mieten und Grundst´┐Żckspreisen, die einen Hotelbetrieb immer unrentabler machen. Anfang 2008 wird das erst 1993 fertiggestellte Ritz Carlton sogar abgerissen.

Die franz´┐Żsische Accor-Gruppe ist ebenfalls ein wichtiger Mitspieler in China. Sie unterh´┐Żlt nicht nur Luxushotels, sondern auch zahlreiche H´┐Żuser der sogenannten Tourismusklasse. Insgesamt will der Konzern nach eigenen Angaben bis 2010 ´┐Żber 62 neue Hotels mit insgesamt 25.000 Zimmern im Reich der Mitte er´┐Żffnen. Anfang 2008 unterhielt er "nur" 50 H´┐Żuser mit 15.000 Zimmern.

Auch die Mariott-Gruppe blieb nicht unt´┐Żtig. Sie plant bis 2010 die Er´┐Żffnung von 20 neuen H´┐Żusern, und zwar ausschlie´┐Żlich im Premiumsegment. Der Konkurrent Shangri-la visiert bis 2011 rund 12 zus´┐Żtzliche Luxushotels in der Volksrepublik an. Seine Strategie zielt jedoch nicht so stark aufs Hinterland wie die der Wettbewerber. Anl´┐Żsslich der Weltausstellung 2010 in Shanghai sollen dort drei zus´┐Żtzliche Hotels auf den Markt kommen.

Die Investitionspl´┐Żne bieten umfangreiche Gesch´┐Żftsm´┐Żglichkeiten f´┐Żr die verschiedensten Zulieferbranchen, denn die H´┐Żuser sollen internationale Standards in Sachen Komfort und Sicherheit erf´┐Żllen. Einheimische Produkte k´┐Żnnen den hohen Anspr´┐Żchen dabei nicht immer gen´┐Żgen. Wer einmal in China sein Zimmer inspiziert, d´┐Żrfte feststellen, dass zahlreiche Artikel von ausl´┐Żndischen Anbietern stammen.

Auch die Einkaufschefs der gro´┐Żen Hotelketten best´┐Żtigen, dass auf ihren Bestelllisten viele westliche Namen auftauchen. Lieferchancen gebe es einerseits auf dem Gebiet der Geb´┐Żudetechnik. So ben´┐Żtigen die oft mehrere Hundert Meter hohen H´┐Żuser eine moderne Sicherheits- und ´┐Żberwachungstechnik. Auch im Bereich Klimatisierung und Beleuchtung bekommen oftmals internationale Systemanbieter den Zuschlag. Weitere Chancen ergeben sich bei der Ausstattung der Zimmer, aber auch der Hotelk´┐Żchen. Vor allem die Restaurants ben´┐Żtigen hochwertiges Porzellan und Besteck, das zudem belastungsf´┐Żhig und einfach zu reinigen sein muss. Produkte aus Europa erfreuen sich daher besonderer Beliebtheit. Auch bei der Ausstattung mit Kochgeschirr und Elektroger´┐Żten besteht Bedarf an Importartikeln. In den Badezimmern der Hotels kommt nach Angaben eines Branchenkenners ´┐Żberwiegend ausl´┐Żndische Sanit´┐Żrkeramik zum Einsatz. Chinesische Konkurrenzprodukte seien zwar nahezu zehnmal billiger als Einfuhren, daf´┐Żr m´┐Żsse man sie allerdings auch nach wenigen Jahren wieder austauschen.

Positiv f´┐Żr deutsche Zulieferer wirkt sich aus, dass in den meisten Luxushotels internationales Personal im Verwaltungs- und Gastronomiebereich arbeitet. In vielen F´┐Żllen stammen der K´┐Żchenchef oder der General Manager sogar aus Deutschland. Das erleichtert die Kontaktaufnahme. Zudem d´┐Żrften ihnen zahlreiche Marken- und Nischenanbieter aus ihrem Heimatland, die ansonsten in China wenig bekannt sind, gel´┐Żufig sein.


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