' )China - Rohstoff-hungriger Riese
Asien Kurier 4/2008 vom 1. April 2008
China

Rohstoff-hungriger Riese

Von Horst Rudolf

Kommt Ihnen als deutschem Leser der Titel nicht bekannt vor? In den siebziger und achtziger Jahren galt die Bundesrepublik Deutschland weltweit als ´┐Żkonomischer Riese, doch gleichzeitig war die politische Rolle auf der Weltb´┐Żhne mehr als bescheiden ? Deutschland zahlte und schwieg.

Dass die Volksrepublik China auf dem Weg ein wirtschaftlicher Riese zu werden, bereits weit fortgeschritten ist, steht ausser Zweifel. Und angesichts seines Potentials, seiner Bev´┐Żlkerungsmassen mit steigender Kaufkraft und milit´┐Żrischen Aufr´┐Żstung hinkt inzwischen auch der Vergleich, China als politischen Zwerg einzustufen.

Dennoch, auf der Weltb´┐Żhne muss die chinesische F´┐Żhrung noch ihre Hausaufgaben machen, denn derzeit bewegt sich das volkreichste Land der Erde eher noch auf einem Trampelpfad, statt auf dem diplomatischen Parkett. Vor allem der Umgang mit Landesteilen oder Nachbarn wie Tibet oder Myanmar zeigt, dass das Politb´┐Żro zwar Priorit´┐Żten setzt, doch politisch eher mit dem Holzhammer, als professionell vorgeht.

Zur Ehrenrettung der Politiker in Beijing, wo vor wenigen Jahrzehnten noch maoistische K´┐Żmpfer ´┐Żber Leben und Tod entschieden, muss gesagt werden, dass dies sicher weder Berechnung noch b´┐Żser Wille ist, sondern eher das Abarbeiten eines historischen Prozesses, bei dem der vom Kommunismus ausgehungerte Magen h´┐Żchste Priorit´┐Żt hat ? also doch eine Parallele zum Nachkriegsdeutschland.

Wie hungrig die heutige Volksrepublik China tats´┐Żchlich ist, zeigt die von h´┐Żchster Staatsspitze sofort nach dem Parteitag im Februar verbreitete ? mehr oder weniger geheime ? Order an alle chinesischen Botschafter weltweit, der Beschaffung von Rohstoffen und Energie f´┐Żr das Heimatland h´┐Żchste Priorit´┐Żt beizumessen.

Ziel der ?diplomatischen? Bem´┐Żhungen oder Opfer der Begierde sind rohstoffreiche L´┐Żnder der Dritten Welt, die mit dem chinesischen Neokolonialismus besser zurechtkommen, als mit den alten Kolonialherren aus Europa. Vor allem sprechen die Volks-Chinesen eine Sprache, die die F´┐Żhrungschicht dieser Staaten versteht: die des Geldes. Hat das Reich der Mitte in den siebziger und achziger Jahren noch im ideologischen Wettstreit mit dem Westen Entwicklungshilfe geleistet, liegt der Fokus nun klar beim Gesch´┐Żft.

Was jedoch in der westlichen Welt mit einem seit dem vergangenen Jahrhundert einge´┐Żbten und perfektionierten Zusammenspiel von Politikern und Diplomaten, inzwischen weitgehend privatwirtschaftlich durch weltweit operierende Unternehmen umgesetzt wird, kommt in China als Befehl von oben, den einige wenige staatsnahe Industriekonglomerate mehr oder weniger r´┐Żcksichtslos ausf´┐Żhren.

Doch was den Chinesen als ?Neueinsteiger? auf den Weltm´┐Żrkten f´┐Żr Rohstoffe entgegenkommt, ist vor allem, dass sie niemanden mehr bekehren, erziehen oder ideologisieren wollen ? nur der freie Zugang f´┐Żr ihre Bautrupps und Bagger ist gefragt ? und m´┐Żglichst wenig St´┐Żrungen bei der Ausbeutung der Rohstoffe und Energietr´┐Żger.

Da der Nahe Osten, Russland und Australien als Rohstofflieferanten bereits weitgehend ausgebucht sind, hat nun folgerichtig Chinas ?Besetzung? des schwarzen Kontinents begonnen ? Afrika ruft. Und die Afrikaner, seit Jahrhunderten von den Europ´┐Żern herablassend behandelt oder schlicht ignoriert, folgen diesem Ruf konsequent. Denn die Chinesen lassen sich den Zugang zu den wertvollen Rohstoffen finanziell und politisch etwas kosten: Schuldenerlasse, technische Zusammenarbeit und vor allem die so oft versagte politische Anerkennung.

Die an vielen Stellen begonnene Nutzung bzw. Ausbeutung des afrikanischen Potentials ist vergleichsweise transparent und folgt klaren wirtschaftlichen Zielen: nicht die kurzfristige Gewinnmaximierung ? wie sie unter anderem von ausl´┐Żndischen Konzernen immer wieder praktiziert wurde, steht an erster Stelle, sondern der langfristige Aufbau von Verbindungen, Infrastrukturen und Industrien zur Sicherstellung des steigenden chinesischen Bedarfs.

In den vergangenen Jahren hat sich der Handel, an erster Stelle der Bezug von Rohstoffen, auf L´┐Żnder wie Angola, S´┐Żdafrika, Sudan, der Republik Kongo, ´┐Żquatorialguinea, Gabun und Nigeria konzentriert. Abgesehen vom Rohstoffriesen S´┐Żdafrika und der ´┐Żl/Mangan-Perle Gabun, liest sich die Liste wie ein ?Who is who? von L´┐Żndern, die um den weltweit schlechtesten Ruf wetteifern.

Doch die chinesische Politik, Gesch´┐Żfte den Menschenrechten vorzuziehen, ist erfolgreicher, als westliche Moralauflagen. Denn auch der kleinste afrikanische Staat hat volles Stimmrecht in den Vereinten Nationen und wird fortan auch chinesische Interessen unterst´┐Żtzen, wenn es Sinn macht. Und es macht Sinn, denn die Chinesen haben ein klares Verst´┐Żndnis von den beiderseitigen Vorteilen ? anders als der Westen, der immer nur Forderungen stellt und trotzdem an die ´┐Żlquellen will, wie in Nigeria.Und die Chinesen respektieren nicht nur das bei autorit´┐Żren Politikern beliebte Prinzip der Nichteinmischung auf Gegenseitigkeit, sie setzen noch ein drauf und k´┐Żmmern sich um die dr´┐Żngenden Probleme der Bev´┐Żlkerung, beispielsweise durch billige Malariamittel oder Stra´┐Żenbau im Busch. Nat´┐Żrlich macht der Westen eine ausgewogenere, vielleicht bessere Entwicklungspoltik, doch die Chinesen fragen nicht, belehren nicht und wollen niemanden umerziehen, und sie geben Kredite ohne politische Auflagen ? was man in Afrika zu sch´┐Żtzen weiss.

Ende 2006 fand in Beijing das ?China-Afrika-Kooperationsforum? statt, als glorreicher Abschluss des vom chinesischen Premier Wen Jiabao ausgerufenen ?Afrika-Jahres?. Aus den 47 afrikanischen Staaten, die mit China diplomatische Beziehungen unterhalten, reisten 3.500 Delegierte an, die mit ihren 40 Staats- und Regierungschefs ehrf´┐Żrchtig einen Eindruck des entstehenden Imperiums erhielten. Von China derart wahrgenommen zu werden, z´┐Żhlt heute mehr, als die langweiligen Sitzungen der UNO in New York.

Denn im Gegensatz zu heisser politischer Luft bieten die gelben Investoren handfestes: der chinesische ´┐Żlmulti CNOOC stieg gerade mal mit 2,7 Milliarden US-Dollar in Nigeria ein und in Angola redet niemand mehr vom Jahrzehnte langen B´┐Żrgerkrieg, seitdem man mehr ´┐Żl an die Chinesen liefert, als vorher Saudi-Arabien. Inzwischen bezieht China bereits ein Drittel seiner ´┐Żlimporte aus Afrika ? mit steigender Tendenz.

Dass nun auch die Afrikaner nicht nur Waffen, sondern auch Waffeleisen aus China importieren, best´┐Żtigt das chinesische Versprechen, man wolle auch den Lebensstandard der Afrikaner verbessern. Der Erfolg ist vorprogrammiert: das Handelsvolumen von etwa 10 Milliarden US-Dollar im Jahre 2003 hat sich bereits 2006 auf 50 Milliarden erh´┐Żht. Das Ziel des chinesischen Premiers, 2010 bereits 110 Milliarden US-Dollar zu erreichen, ist durchaus realistisch.

Selbst wenn ein erfahrener Politiker wie der s´┐Żdafrikanische Pr´┐Żsident Thabo Mbeki die Gefahr an die Wand malt, Afrika k´┐Żnne ? in Wiederholung der Kolonialzeit ? zum reinen Rohstofflieferanten werden und damit zu weiterer Unterentwicklung verdammt sein, ist der Zug l´┐Żngst abgefahren und Mbeki steht mit seiner Warnung weitgehend allein.

Wenn den Afrikanern langfristig etwas helfen kann, ist es die ? derzeit noch sehr bescheidene ? interne ?Zivilisierung? des chinesischen Vorgehens. Denn auch im Milliardenreich hat man seit kurzem erkannt, dass umweltzerst´┐Żrender Raubbau, soziale Verantwortungslosigkeit und unkontrollierte Investitionen langfristig nicht nur zu politischen Querschl´┐Żgern werden k´┐Żnnen, sondern auch irgendwann den wirtschaftlichen Erfolg in Frage stellen ? und letzteres w´┐Żre sehr unchinesisch.

Chronologie der wichtigsten chinesisch - afrikanischen Handelsabkommen und Gesch´┐Żfte

Von Oliver Schmidt, Autor von Weltpolitik.net

15. - 16. Dez. 2003

Zweite Ministrialkonferenz des China - Akrika Kooperationsforums. Verabschiedet wird der Addis Abeba Action Plan.

Jan. / Feb. 2004

Abkommen zwischen dem chinesischen Unternehmen Sinopec und der Firma Total Gabon ´┐Żber ´┐Żllieferungen nach China.

Juni 2004

Vizepr´┐Żsident Zeng Qinghong schlie´┐Żt w´┐Żhrend seiner Reise Vereinbarungen ´┐Żber Handels- und Investitionsprojekte in S´┐Żdafrika ab.

Januar 2005

Angola verk´┐Żndet, es werde einen chinesischen Kredit in H´┐Żhe von 2 Milliarden US-Dollar f´┐Żr die Instandsetzung und den Wiederaufbau seiner Infrastruktur nutzen. China erh´┐Żht im M´┐Żrz 2006 die Kreditsumme um 1 Milliarde US-Dollar. Angola bietet als Sicherheit Zugriff auf seine ´┐Żlquellen.

Juli 2005

Das Unternehmen Petrochina und die Nigerian National Petroleum Corp. unterzeichnen einen Vertrag im Volumen von 800 Millionen US-Dollar ´┐Żber die t´┐Żgliche Lieferung von 30.000 Barrel Roh´┐Żl an China.

November 2005

Beim Treffen hoher Vertreter des sudanesischen und chinesischen Verteidigungsministeriums wird erkl´┐Żrt, dass die traditionell gute Zusammenarbeit beider L´┐Żnder weiterausgebaut und vertieft werden soll. Vermutet wird, dass Teile der chinesischen Arbeitskr´┐Żfte im Sudan in Wirklichkeit Soldaten der "Volksbefreiungsarmee" sind und sich aktiv an den Kampfhandlungen im Sudan beteiligen.

Januar 2006

China t´┐Żtigt seine bis dahin gr´┐Ż´┐Żte Auslandsinvestition in H´┐Żhe von 2,3 Milliarden US-Dollar f´┐Żr Anteile an einem ´┐Żl- und Gasfeld in Nigeria, Afrikas gr´┐Ż´┐Żten ´┐Żlproduzenten.

April 2006

Algerien vergibt einen Auftrag ´┐Żber 7 Milliarden US-Dollar an ein chinesisch-japanisches Konsortium f´┐Żr den Bau einer 130 km langen Stra´┐Że von Tunesien nach Marokko.

April 2006

Staatspr´┐Żsident Hu Jintao unterzeichnet einen Vertrag ´┐Żber die Exploration eines 115 km2 gro´┐Żen Offshore-Feldes in Kenia. Ausgef´┐Żhrt wird das Projekt von der chinesischen Firma CNOOC.

Mai 2006

Das angolanische Staatsunternehmen Sonangol verkauft an Sinopec einen 40%-Anteil (1,4 Mrd. US$) an einem Offshore-Feld.

Juni 2006

Beijing beschlie´┐Żt sich an den Kosten f´┐Żr den Bau von Afrikas gr´┐Ż´┐Żten Theater im Senegal mit 35 Millionen US-Dollar zu beteiligen. Zus´┐Żtzlich verk´┐Żndet die chinesische F´┐Żhrung dem Land seine 20 Millionen US-Dollar hohen Schulden zur erlassen.

September 2006

Ein chinesisches Konsortium investiert 3 Milliarden US-Dollar in Gabun. Der westafrikanische Staat hat den Chinesen die alleinigen Rechte zum Abbau von Eisenerzen verkauft. Das Gesch´┐Żft umfasst auch den Ausbau einer Bahnlinie in Gabun und den Bau eines Hafens.

5. Nov. 2006

W´┐Żhrend des China - Afrika - Gipfels in Beijing schie´┐Żen 12 chinesische Unternehmen Vertr´┐Żge ´┐Żber 1,9 Milliarden US-Dollar mit 11 afrikanischen L´┐Żndern in den Sektoren Infrastruktur, Telekommunikation, Technologie, und Ressourcen. Es ist der gr´┐Ż´┐Żte Afrikagipfel seit Bestehen der Volksrepublik China. Mit diesem Gipfel weitet China seinen Einfluss im ressourcenreichen Afrika weiter aus.

Februar 2007

Chinas Staatspr´┐Żsident Hu Jintao besucht w´┐Żhrend seiner elft´┐Żgigen Reise die L´┐Żnder Liberia, Sudan, Sambia, Namibia, S´┐Żdakrika, Mosambik und die Seychellen.


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