' )Pakistan - Energiedrehscheibe f´┐Żr S´┐Żdasien ?
Asien Kurier 6/2008 vom 1. Juni 2008
Pakistan

Energiedrehscheibe f´┐Żr S´┐Żdasien ?

Von Fabian Nemitz (gtai)

Seit Jahren laufen Verhandlungen ´┐Żber den Bau zweier Erdgaspipelines von Iran und Turkmenistan nach Pakistan und Indien. Zuletzt waren die Gespr´┐Żche ins Stocken geraten. Der stark steigende Energiebedarf in der Region dr´┐Żngt aber auf ein schnelles Handeln. Bei einem Treffen in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad wurde Ende April 2008 ein Durchbruch erzielt. Die zust´┐Żndigen Minister haben sich grunds´┐Żtzlich auf einen Bau geeinigt. Die Zustimmung der Regierungen steht noch aus. Die Kosten der beiden Projekte werden auf 15,1 Milliarden US-Dollar gesch´┐Żtzt.

Werden die Pipeline-Projekte umgesetzt, w´┐Żrde Pakistan zu einem bedeutenden Transitland und einer Energiedrehscheibe f´┐Żr die gesamte Region. Gleichzeitig er´┐Żffneten sich den zentralasiatischen Staaten neue Absatzwege. Nach Meinung der Tageszeitung Khaleej Times aus den Vereinigten Arabischen Emiraten ist es insbesondere die sich versch´┐Żrfende Energiekrise, die die L´┐Żnder nach jahrelangen Verhandlungen nun zu einer Einigung bewegt hat.

In Folge der Energiekrise kommt es gerade in Pakistan immer wieder zu l´┐Żngeren Stromausf´┐Żllen, die das Leben und die Wirtschaft des Landes lahm legen. Neue Energiequellen m´┐Żssen schnell erschlossen werden, denn wie auch in Indien l´┐Żsst das Wachstum von Bev´┐Żlkerung und Wirtschaft den Energiebedarf immer weiter ansteigen. Iran hat sich indessen bereit erkl´┐Żrt, Pakistan ab sofort 1.100 MW Strom zu liefern. Aktuell liegt das Erzeugungsdefizit Pakistans bei etwa 3.000 MW.

Bei dem einen der beiden Vorhaben handelt es sich um den Bau einer Pipeline, die Gas aus Iran nach Pakistan und Indien (IPI-Pipeline) bringen soll. Gespr´┐Żche zwischen Indien und Pakistan waren im Juni 2007 gescheitert, nachdem die beiden L´┐Żnder keine Einigung ´┐Żber die H´┐Żhe der Transittarife erzielen konnten. Indien hatte aus diesem Grund nicht an den drei folgenden Gespr´┐Żchsrunden teilgenommen und zuletzt im Februar 2008 seine Teilnahme kurzfristig abgesagt. Meldungen ´┐Żber ein Interesse der Volksrepublik China an einem Einstieg in das Pipelineprojekt und die Gefahr, dann selbst au´┐Żen vor zu bleiben, haben Indien jedoch wieder an den Verhandlungstisch gebracht, berichtet die pakistanische Tageszeitung Dawn. Indien k´┐Żnne seinen steigenden Gasbedarf nicht ignorieren, auch wenn die USA gegen Lieferungen aus Iran seien.

Bei dem Ministertreffen Ende April 2008 konnten die Unstimmigkeiten zwischen Pakistan und Indien nun beigelegt werden. Die Transitgeb´┐Żhren und -tarife wurden noch nicht endg´┐Żltig festgesetzt, sollen sich aber nach der H´┐Żhe der Baukosten f´┐Żr die Pipeline in Pakistan richten. Diese werden derzeit auf 3 Milliarden US-Dollar gesch´┐Żtzt, bei Kosten von insgesamt 7,5 Milliarden. Ein Abkommen soll unterzeichnet werden, sobald die Regierungen gr´┐Żnes Licht zur Einigung der Minister geben.

Der Beginn der Arbeiten an der 2.777 km langen Pipeline ist f´┐Żr 2009 vorgesehen. Ab Dezember 2012 sollen dann t´┐Żglich 2,46 Milliarden Kubikfu´┐Ż Gas (69,7 Mio. m3) aus Iran flie´┐Żen, die sich Pakistan und Indien jeweils zur H´┐Żlfte teilen. Die Leitung k´┐Żnnte sp´┐Żter in die Volksrepublik China verl´┐Żngert werden. Nach Einsch´┐Żtzung der Tageszeitung Khaleej Times ist die IPI-Pipeline die nach jetzigem Stand aussichtsreichere Variante. Unternehmen und Geldgeber aus verschiedenen L´┐Żndern sind dem Vernehmen nach am Bau beziehungsweise der Finanzierung des Projekts interessiert.

Bei dem zweiten Projekt handelt es sich um eine Gaspipeline von Turkmenistan ´┐Żber Afghanistan und Pakistan nach Indien (TAPI-Pipeline). Auch zu diesem Vorhaben fanden Ende April 2008 in Islamabad Gespr´┐Żche der Energieminister der beteiligten L´┐Żnder statt. Dabei haben sich die Minister auf eine Fortsetzung der Vorbereitungen f´┐Żr den Bau der Pipeline geeinigt, auch wenn die urspr´┐Żnglich veranschlagten Gesamtkosten in H´┐Żhe von 3,3 Milliarden nun mit 7,6 Milliarden US-Dollar mehr als doppelt so hoch angesetzt werden.

Die TAPI-Pipeline soll 2015 fertig gestellt sein. In den ersten beiden Jahren nach Inbetriebnahme will Afghanistan t´┐Żglich 5 Millionen m3 entnehmen. Ab dem dritten Jahr, wenn die Pipeline ihre vorgesehene Kapazit´┐Żt von 90 Millionen m3 erreicht hat, sollen es bis zu 14 Millionen m3 t´┐Żglich sein. Den Rest werden sich Pakistan und Indien jeweils zur H´┐Żlfte teilen.

Die USA bevorzugen dieses Vorhaben. Wann die Sicherheitslage in Afghanistan eine Aufnahme der Bauarbeiten erlaubt, ist jedoch ungewiss. Zudem braucht die Pipeline f´┐Żr ihre Wirtschaftlichkeit mindestens 30 Milliarden m3 Gas pro Jahr. Und hier gab es in der Vergangenheit Zweifel, ob Turkmenistan diese Menge liefern kann. Der turkmenische Minister f´┐Żr die ´┐Żl- und Gasindustrie, Baymurad Hojamuhamedov sagte jedoch, es seien neue Gasvorkommen in seinem Land entdeckt worden. Ein britisches Unternehmen wurde damit beauftragt, die Vorkommen zu zertifizieren.

Ein Bericht solle bis Ende September 2008 vorliegen. Die gesamten Gasreserven Turkmenistans l´┐Żgen bei etwa 8.000 Millarden m3, sagt der Minister. Im BP World Energy Report aus dem Jahr 2006 werden die Vorkommen jedoch nur mit 2.860 Millarden m3 angegeben. Die Minister verst´┐Żndigten sich darauf, ein Konsortium aus Investoren f´┐Żr eine detaillierte Machbarkeitsstudie und das weitere Vorgehen zu bilden. Ab 2009 wollen sie unter anderem die H´┐Żhe der Transitgeb´┐Żhren er´┐Żrtern. Auch die Asian Development Bank (ADB) will ihre Machbarkeitsstudie ´┐Żberarbeiten, um in der n´┐Żchsten Phase interessierte Unternehmen einzuladen.

Urspr´┐Żnglich wurde die TAPI nur als eine Route von insgesamt drei Optionen diskutiert. Der stark steigende Energiebedarf in der Region macht nun aber beide Vorhaben n´┐Żtig. Als drittes Pipeline-Projekt neben IPI und TAPI wurde die Katar-Iran-Pakistan-Indien-Pipeline (KATI) gehandelt. Die KATI-Pipeline scheint aber aus dem Rennen, weil sich der Golfstaat Katar, der ´┐Żber die weltweit drittgr´┐Ż´┐Żten Erdgasreserven (25.360 Millarden m3) verf´┐Żgt, f´┐Żr andere Exportwege entschieden hat.


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