' )Hongkong - Moderne Verpackungen gefragt
Asien Kurier 6/2008 vom 1. Juni 2008
Hongkong

Moderne Verpackungen gefragt

Von Dr. Roland Rohde (gtai)

Aus der an Hongkong grenzenden Guangdong-Provinz stammen rund 30 Prozent der chinesischen Warenexporte. Vielfach handelt es sich um empfindliche elektronische Produkte, aber auch um Textilien. Entsprechend hoch sind die Anforderungen an die Verpackung.

Einheimische Hersteller k´┐Żnnen diesen nicht immer gen´┐Żgen. Insbesondere in den Sparten Kunststoff, Papier und Pappe gibt es Nachholbedarf. Die s´┐Żdchinesischen Produzenten verwenden daher oftmals Verpackungen aus dem Ausland, die sie teilweise ´┐Żber den Freihafen Hongkong beziehen.

Die Ausfuhren Guangdongs beliefen sich 2007 auf rund 370 Milliarden US-Dollar, f´┐Żr 2008 erwarten Analysten, trotz der weltweiten Konjunktureintr´┐Żbungen, einen Wert von jenseits der 400 Milliarden US-Dollar. Die meisten Waren werden per Schiff transportiert; die Luftfracht gewinnt aber an Bedeutung. Vor allem teure und empfindliche Produkte wie Computerchips, Halbleiter, aber auch Textilien werden mit dem Flugzeug bef´┐Żrdert.

Die Verpackungsmaterialien m´┐Żssen daher teilweise hohen Anforderungen gen´┐Żgen. So kann es in einem Container unter Umst´┐Żnden bis zu 70o heiss werden, wissen Insider aus dem Logistiksektor zu berichten. Zudem muss die Ware vor Feuchtigkeit, Ersch´┐Żtterungen, und andere Widrigkeiten eines rauen Seetransports gesch´┐Żtzt werden. F´┐Żr die Bef´┐Żrderung per Luft sind zudem m´┐Żglichst leichte Materialien zu w´┐Żhlen.

Zugleich steigen die Anforderungen an die Umweltvertr´┐Żglichkeit und Wiederverwendbarkeit. Zahlreiche Stoffe, die in China noch ohne Bedenken verwendet werden, sind in der EU oder den USA l´┐Żngst verp´┐Żnt oder bereits verboten. Zudem gibt es unterschiedliche Erwartungshaltungen. In Hongkong wird noch jede Toilettenpapierrolle einzeln verpackt; in Europa w´┐Żrden sich dem Konsumenten angesichts einer solchen Verschwendung die Nackenhaar str´┐Żuben.

Auch die chinesischen Produzenten haben immer h´┐Żhere Anspr´┐Żche. So will sich die dortige Exportindustrie langsam, aber stetig, h´┐Żher positionieren und nicht mehr ausschlie´┐Żlich Billigprodukte anbieten. Entsprechend muss die Verpackung ihrer Produkte hochwertiger erscheinen.

W´┐Żhrend f´┐Żr eine Standardtransportverpackung f´┐Żr gro´┐Że Exportg´┐Żter wie K´┐Żhlschr´┐Żnke oder Waschmaschinen Pappe und Styropor "Made in China" verwendet wird, kommen f´┐Żr Spezialwaren wie Maschinen und empfindliche Elektroger´┐Żte ´┐Żberwiegend Materialien aus dem Ausland zum Einsatz.

Einen Teil der Verpackungen beziehen die Fabriken S´┐Żdchinas ´┐Żber den Freihafen Hongkong oder unter Einschaltung eines Hongkonger H´┐Żndlers (sogenannter Offshore-Handel). Im Jahr 2007 importierte die ehemalige britische Kronkolonie nach Berchnungen des "Trade Development Council" (TDC) Branchenprodukte im Wert von 3,8 Milliarden US-Dollar, eine Steigerung von 3,5 Prozent im Vorjahresvergleich. Mehr als die H´┐Żlfte der entsprechenden Einfuhren wurde anschlie´┐Żend nach China reexportiert.

Hongkongs Branchenhandel w´┐Żchst deutlich langsamer als die Warenexporte und -importe der benachbarten Provinz Guangdong. Immer mehr Fabriken in S´┐Żdchina beziehen ihre Verpackungsmaterialien lieber direkt ´┐Żber die deutlich g´┐Żnstigen Terminals in Shenzhen und Guangzhou. Zudem kaufen sie Verpackungen zunehmend auch im Inland.

Die einheimischen Hersteller bieten zunehmend qualitative und moderne Produkte an. Noch ist allerdings der Abstand insbesondere zu den etablierten Anbietern aus Japan oder den USA sehr gro´┐Ż. Nach Einsch´┐Żtzung des TDC besteht der gr´┐Ż´┐Żte Nachholbedarf in der Kunststoffsparte. Wer umweltfreundliche Plastikfolien aus modernen Materialien wie PET ben´┐Żtigt, muss haupts´┐Żchlich auf ausl´┐Żndische Zulieferungen zur´┐Żckgreifen. Deutsche Unternehmen seien in dieser Branche besonders konkurrenzf´┐Żhig.

Ebenso gebe es gro´┐Że qualitative Unterschiede zwischen einheimischen und importierten Verpackungen aus Papier und Pappe. So sei das in China vorhandene Papier von relativ niedriger Qualit´┐Żt und seine anschlie´┐Żende Weiterwertung nur bedingt m´┐Żglich. Chinesische Anbieter konnten jedoch in den letzten Jahren erhebliche Qualit´┐Żtsfortschritte erzielen.

Ein Gro´┐Żteil der ben´┐Żtigten Exportverpackungen stammt aus Japan, Taiwan und S´┐Żdkorea. Die drei Staaten setzen 2007 Produkte im Wert von deutlich ´┐Żber einer Milliarde US-Dollar um, ein Plus von knapp 3 Prozent gegen´┐Żber 2006. Daeben spielen Firmen aus den USA mit Lieferungen von mehr als 280 Millionen US-Dollar (+0,5%) eine bedeutende Rolle. Deutschland lag in der Einfuhrstatistik auf Rang sechs. Insgesamt lieferten deutsche Unternehmen 2007 Verpackungsmaterialien im Wet von mehr als 140 Millionen US-Dollar (+17%) nach Hongkong. Damit konnte das Land seinen Importanteil merklich ausbauen, denn die hauotwettbewerber aus Ostasien und den USA mussten sich sich deutlich geringeren Wachstumsraten abfinden.

Deutsche Anbieter besitzen bei Hightech-Materialien sowie besonders umweltfreundlichen und recyclebaren Stoffen einen klaren Vorsprung gegen´┐Żber ihren Wettbewerbern. Ebenso k´┐Żnnen sie bei extrem d´┐Żnnen und leichten Materialien punkten. Wie Marktkenner berichten, t´┐Żtigen mehrere hundert Branchenfirmen aus Deutschland Gesch´┐Żfte in Hongkong. Die gr´┐Ż´┐Żten von ihnen bringen es auf einen Jahresumsatz von rund einer Million US-Dollar.


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