Asien Kurier 10/2008 vom 1. Oktober 2008
VAE

M´┐Żllprofis gesucht

Von Martin B´┐Żll (gtai)

Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) haben ein M´┐Żllproblem. Wurde bisher der Abfall vor allem in der W´┐Żste entsorgt, f´┐Żrchtet die Regierung nun toxische Stoffe, die in das Grundwasser sickern oder vom Wind ´┐Żber das Land verweht werden k´┐Żnnten.

Alleine vor der VAE-Hauptstadt Abu Dhabi liegen sechs sich lang hinstreckende M´┐Żlldeponien, in die seit Jahren unkontrolliert Chemie-, Haushalts- und Industrieabf´┐Żlle sowie Bauschutt und landwirtschaftliche Pestizide abgeladen werden. In einer M´┐Żllhalde lagert sogar milit´┐Żrischer Schrott. Zuverl´┐Żssige Aufzeichnungen ´┐Żber den Inhalt der Deponien gibt es dem Vernehmen nach nicht. Ebenso gab es bislang keine Bem´┐Żhungen, die Deponien vor auslaufenden Chemikalien zu sch´┐Żtzen.

Zuerst ist das Umweltschutzamt an einer Ist-Analyse beziehungsweise Bestandsaufnahme interessiert, so Majid alMansouri, Generalsekret´┐Żr der Beh´┐Żrde von Abu Dhabi, der die Aufgabe hat, die st´┐Żdtischen Deponien zu sanieren. Als erstes wird er nun Beraterunternehmen beauftragen, die das Ausma´┐Ż der Verschmutzung in und um die Deponien herum feststellen. "Wenn wir genau wissen, mit welchem M´┐Żll wir es zu tun haben, k´┐Żnnen wir spezialisierte Unternehmen beauftragen, die Halden zu sanieren," sagt Dr. Bader al Harahsheh, Chef des Abu Dhabi Waste Management Centre, der zust´┐Żndigen Stadtbeh´┐Żrde.

Alleine die L´┐Żsung der M´┐Żllprobleme von Abu Dhabi werde eine Aufgabe von au´┐Żergew´┐Żhnlichen Ausma´┐Żen, sagen Beobachter, und potenziell ein Millionen-Dollar-Gesch´┐Żft f´┐Żr ausl´┐Żndische Spezialfirmen. Dabei ist nicht nur die Zusammensetzung des M´┐Żlls ein Riesenproblem, sondern auch die schiere Menge. Die gr´┐Ż´┐Żte Deponie, Al Dharfa, ist schon ein Vierteljahrhundert in Betrieb und d´┐Żrfte, schreibt die Tageszeitung "The National", die sechsfache Gr´┐Ż´┐Że der City von London erreicht haben. Jeden Tag k´┐Żmen mindestens weitere 20.000 Tonnen Abfall hinzu, schreibt das Blatt. Sch´┐Żtzungen der Umweltschutzbeh´┐Żrde zufolge produziert jeder Einwohner von Abu Dhabi t´┐Żglich 2,3 kg M´┐Żll. Zum Vergleich: Im Freiburg waren es 2006 nur 376 Gramm - und selbst Deutschlands Spitzenreiter K´┐Żln fabrizierte nur ein Kilogramm.

F´┐Żhrender M´┐Żllproduzent in den VAE ist die Bauwirtschaft. Laut einem Bericht der Tageszeitung "Emirates Business" zufolge fielen 2007 alleine in Dubai etwa 28 Millionen Tonnen Bauabf´┐Żlle und -schutt an, im Durchschnitt 76.000 Tonnen/Tag. Im Jahr zuvor waren es "nur" 10,5 Millionen Tonnen Nur ein geringer Teil des Bauschutts wird wiederverwertet. So wurde 2007 ein ´┐Żffentlich-privates Joint-Venture unter Beteiligung der Al Rostamani-Gruppe initiiert, das in Al Lusaily Bauschutt recyceln will. Hintergrund des hohen Schuttaufkommens ist die rasante Baut´┐Żtigkeit und die bislang geringe Lebenserwartung eines Geb´┐Żudes, das meist schon nach 25Jahren wieder abgerissen wird.

Als Hauptproduzent von gef´┐Żhrlichem M´┐Żll gilt die ´┐Żlindustrie: ´┐Żlhaltiges Bohrklein und Bohrschmand (bei der ´┐Żlbohrung entstehender Abfall), Alt´┐Żl, Katalysatoren, Korrosionsschutzmittel und Laborchemikalien wandern auch gerne auf die Kippe. Die Landwirtschaft, die mit gro´┐Żen Mengen D´┐Żnger und Pestiziden arbeitet, tr´┐Żgt ihren Teil zum Gefahrenm´┐Żll bei.

Und dann ist da noch der Hausm´┐Żll, der zwar geringere Schadstoffmengen liefert, aber dennoch nicht zu untersch´┐Żtzen ist: So werden in den VAE weiterhin Batterien, Medikamente, Computer und Handys einfach in die M´┐Żlltonne geworfen. Zwar gibt es gelegentlich Initiativen, in deren Rahmen propagiert wird, alte Handys in einer Tankstelle oder obsolete Computer bei einer st´┐Żdtischen Annahmestelle abzugeben, effektiv sind diese Aktionen bislang aber nicht. Wer begibt sich schon freiwillig in den st´┐Żndigen Verkehrsstau, wenn er seinen Elektronikschrott ganz legal in seinem M´┐Żllcontainer entsorgen kann.

Abu Dhabi will zun´┐Żchst in Al Darfra eine sichere Deponie bauen, von der nichts mehr ins Grundwasser gelangen kann. In einer Recyclinganlage f´┐Żr Haushaltsm´┐Żll, die in Al Mafraq eingerichtet wird, sollen wiederverwertbare Stoffe aussortiert werden. Die Anlage ist auf 2.500 Tagestonnen ausgelegt und wird im dritten Quartal 2009 ihren Betrieb aufnehmen. Die Investitionskosten werden mit etwa 330 Millionen US-Dollar angegeben.

Die Nachbarstadt Dubai, mit 40.000 Tonnen M´┐Żll am Tag ein Spitzenproduzent, ist nach eigenen Angaben schon weiter und hat mit verschiedenen privaten Betrieben Gemeinschaftsunternehmen auf BOOT-Basis (build, own, operate, transfer) gegr´┐Żndet. Dazu z´┐Żhlen die Tadweer, die Zenath-Gruppe (geh´┐Żrt zur ETAStar-Gruppe) und die Al Serkal-Gruppe, die Hausm´┐Żll, medizinische Abf´┐Żlle und verbrauchtes Speisefett fachgerecht entsorgen. Tadweer hat bereits im M´┐Żrz 2006 eine 136 Millionen US-Dollar teure Anlage f´┐Żr dieEntsorgung von 4.000 Tagestonnen Hausm´┐Żll in Betrieb genommen. Zenath baut an einer Verbrennungsanlage f´┐Żr medizinischen Abfall, die Ende 2009 ihren Betrieb aufnehmen und 20 Tonnen am Tag entsorgen soll.

Das M´┐Żllproblem der VAE ist ein Problem in den gesamten Golfstaaten. Alle haben es quasi ´┐Żber Nacht zu unermesslichem Reichtum gebracht und geben das Geld mit vollen H´┐Żnden aus. Konsum wird gro´┐Żgeschrieben, Ausbildung hingegen noch klein. Ein Umweltbewusstsein oder ein gesunder Respekt vorden nat´┐Żrlichen Ressourcen des Landes sind erst wenig ausgepr´┐Żgt. Die Vorstellung, Hausm´┐Żll zu sortieren, ein Pfandsystem f´┐Żr Flaschen einzuf´┐Żhren, auf Plastikt´┐Żten zu verzichten, erscheint den meisten Einwohnern der Golfstaaten absurd.

Mit genau dem Gedanken aber sollen sich die Einwohner der VAE nun langsam anfreunden. An einigen Bushaltestellen von Dubai finden sich seit kurzem Abfallbeh´┐Żlter, die nach Papier, Flaschen und Restm´┐Żll unterscheiden. Auch wenn sie, so ist zu h´┐Żren, bislang noch nicht angenommen werden - es ist immerhin ein erster bescheidener Schritt, mit dem die Stadtverwaltung ein Zeichen setzen will. Auch das schwedische M´┐Żbelhaus IKEA will einen Beitrag liefern und hat in seinem Parkhaus Sammelbeh´┐Żlter f´┐Żr alte Zeitungen aufgestellt, die anschlie´┐Żend daf´┐Żr benutzt werden, gekaufte Kleinteile einzuwickeln. Erste Superm´┐Żrkte haben angefangen, ihre Kunden zur Verwendung von Stofftaschen zu ermuntern.

Mutiger ist die Oasenstadt Al Ain, die ein Pilotprojekt angek´┐Żndigt hat, in dessen Rahmen Haushaltsm´┐Żll vorsortiert werden soll. In einer ersten Phase will sie ihren Bewohnern zumuten, "feuchten" von "trockenem" M´┐Żll zu trennen. Zu letzterem z´┐Żhlen Glas, Papier und Dosen, die dann in einer neuen Recyclinganlage der Stadt sortiert werden sollen. Der Restm´┐Żll, der auf ein Viertel des Gesamtm´┐Żlls veranschlagt wird, kommt auf eine neue, nach internationalen Standards isolierte Deponie, die auf eine Nutzung von 20 Jahren ausgelegt ist. Al Ain hatte schon 2007 f´┐Żr Schlagzeilen gesorgt, weil es ein Privatunternehmen damit beauftragt hatte, H´┐Żusergraffiti zu beseitigen und die W´┐Żste von Picknickresten zu s´┐Żubern. Letztere sind der Grund daf´┐Żr, das der Kamelbestand der VAE in Gefahr ist. In verendeten Tieren finden sich h´┐Żufig gr´┐Ż´┐Żere Mengen unverdaulicher Kunststoffabf´┐Żlle.

Environment Agency - Abu Dhabi

P.O. Box 45553, Abu Dhabi

Tel.: 971 2 445 4777

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Web: www.ead.ae

Abu Dhabi Waste Management Centre

P.O. Box 48448, Abu Dhabi

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Fax: 971 2 642 2577

Email: [email protected]

Tadweer- Waste Treatments

P.O. Box 294249, Dubai

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Fax: 971 4 333 3088

Email: [email protected]

Web: www.tadweer.com

J Al Serkal Group

P.O. Box 16167, Dubai

Tel.: 971 4 286 9559

Fax: 971 4 286 5228

Email: [email protected]

Web: www.serkalgroup.com


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