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Indiens Wirtschaft hat Anfang der 90er Jahre die Kommandowirtschaft nach russischem Vorbild hinter sich gelassen. Die eingeleiteten Wirtschaftsreformen haben zu einem nachhaltigen und dynamischen Wachstum geführt. Mittlerweile besteht ein starker Nachfrageüberhang nach hochqualifizierten Fachkräften. Hohe Fluktuationsraten sind die Folge.
Mindestlöhne in ausgewählten Bundesstaaten in IndienVerstärkt wird die Situation derzeit durch steigende Einkommenseinbußen, die auf eine seit mehr als einem Jahr verhältnismäßig hohe Inflationsrate zurückzuführen sind. Dagegen steht der Wunsch der arbeitenden Bevölkerung, sich finanziell zu verbessern, um nicht nur die stark gestiegenen Lebenshaltungskosten zu kompensieren. sondern sich auch dem Konsumboom der wachsenden Mittelschicht anzuschließen. Aus den Ergebnissen einer von der ASC-Gruppe gestarteten Umfrage unter 500 international ausgerichteten Unternehmen kristallisierten sich die folgenden fünf Arbeitsmarkttrends heraus:
1. Anhaltender hoher Inflationsdruck
Während die durchschnittliche Teuerungsrate im Zeitraum zwischen den Jahren 1969 und 2010 knapp unter 8 Prozent lag, wurde für Juli 2011 eine Inflationsrate in Höhe von 8,6 Prozent ermittelt. Im gleichen Zeitraum sind die Großhandelspreise bei Nahrungsmitteln um mehr als 17 Prozent gestiegen.
Dies ist bereits ein Rückgang gegenüber Vormonaten mit noch höheren Preissteigerungsraten, unter denen die unteren Einkommensgruppen besonders stark zu leiden haben. Gerade in diesem Personalsegment sind hohe Abwanderungsraten zu verzeichnen, weil man nur in besser bezahlten Arbeitsverhältnissen zumindest seinen derzeitigen Lebensstandard halten kann. Um Abwanderungswellen zu vermeiden, empfehlen sich Lohnanpassungen, insbesondere bei Mitarbeitern in den unteren Gehaltsklassen.
2. Erhöhung der Mindestlöhne
In den meisten Bundesstaaten wurden die Mindestlöhne angesichts sich verteuernder Lebenserhaltungskosten erhöht. So ist beispielsweise für Arbeiter und Angestellten von Delhi um 15 Prozent gestiegen.
Der Minimum Wages Act aus dem Jahre 1948 schützt mit Mindestlöhnen vor der Ausbeutung der Arbeitnehmer, um deren Existenzminimum zu sichern.
Die Festlegung der Mindestlöhne bleibt den Regierungen der indischen Bundesstaaten vorbehalten. Aus diesem Grunde gibt es gewaltige Unterschiede innerhalb Indiens. Diese führen dazu, dass ein ungelernter Arbeiter in Delhi im Schnitt 203 Rupien pro Tag verdient, was etwa 3,14 Euro entspricht, während im weiter südlichen Andhra Pradesh hingegen nur 67 Rupien, also knapp mehr als ein Euro pro Tag gezahlt werden . (1 Euro = 65,15 Rupien, 3-Monatsmittel)
3. Leistungsorientierte Vergütung auf dem Vormarsch
Der Trend zu leistungsorientierten Vergütungsmodellen nimmt zu. Die lokalen Manager werden stärker erfolgsorientiert bezahlt. Unserer Datenerhebung zufolge erhält das obere Management im Durchschnitt ein Viertel seiner Gesamtbezüge nur bei erfolgreicher Erfüllung der Zielvorgaben. Doch auch der Führungsnachwuchs wird öfter an seinem Beitrag zum Geschäftserfolg gemessen: Etwa zehn Prozent der Bezüge werden als Bonus ausgezahlt.
Fluktuationsraten für einzelne Branchen 2010/2011 in Indien4. Höchste Gehaltssprünge im asiatisch-pazifischen Wirtschaftsraum
Im vergangenen Jahr wurden durchschnittlich 12,1 Prozent mehr für Gehälter gezahlt als im Vorjahr. Damit nimmt der Subkontinent eine Spitzenposition in Asien ein.
Aufgrund der nachhaltigen Inflation und einem anhaltenden hohen Wachstum (9%+) werden die Gehaltsprognosen für 2011 auf rund 13,2 Prozent angehoben. Insbesondere profitiert von diesem Trend das Mittlere und Untere Management.
5. Steigende Mitarbeiterfluktuation
Ein regelrechtes Jobhopping findet derzeit in den Sparten Banken (45%) Biotechnologie (44%) und Pharmazie (36%) statt. Gerade in den Industriehochburgen wechselt fast jeder dritte hochqualifizierte Mitarbeiter in Positionen mit Nachfrageüberhang den Arbeitgeber. Der IT-Bereich liegt branchenweit bei 25 Prozent.
Die folgenden drei Gründe für die Abwanderung von Arbeitnehmern werden von den wechselwilligen indischen Managern an erster Stelle genannt:
&bull. Realisierung von Gehaltssprüngen beim Wechsel des Arbeitgebers
&bull. Keine berufliche Weiterentwicklungsperspektive beim vorhergehenden Arbeitgeber
&bull. Probleme bei der Arbeitsatmosphäre mit Kollegen und insbesondere in der Zusammenarbeit mit dem Vorgesetzten
Die Entwicklung des indischen Arbeitsmarktes bleibt spannend. Für deutsche Unternehmen ist es mehr denn je entscheidend, Trends rechtzeitig zu erkennen, um so früh wie möglich zu reagieren.
Für die Personalabteilungen wird es immer wichtiger, mit großer Aufmerksamkeit der Stimmungslage in den wichtigen Arbeitskräftesegmenten zu folgen, um frühzeitig Abwanderungsgedanken oder Perspektivlosigkeit zu begegnen.
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